The Queen

September 1997, die Woche zwischen Tod und Begräbnis Prinzessin Dianas: Ein Blick ins Privatleben der britischen Königsfamilie, deren angeschlagenes Ansehen Premierminister Tony Blair aus taktischen Gründen wieder herzustellen versucht.

 

Filme über das Privatleben von Monarchen haben eine lang zurückreichende Tradition, im Mittelpunkt standen aber nie noch lebende Persönlichkeiten. Stephen Frears blickt nun in die Privatsphäre von Elisabeth II. und ihrer Familie, beschränkt sich aber nicht auf diese Schlüssellochperspektive, sondern verknüpft die inszenierten Szenen mit Archivmaterial von den Trauerkundgebungen des Volkes. Durch die durchgängige Mischung von Fiction und Facts bekommt einerseits der ganze Film den Anschein von Authentizität, andererseits wird der Druck sichtbar, der durch die mediale Inszenierung auf das Privatleben ausgeübt wird: Reale Zeitungsschlagzeilen und TV-Bilder vom Blumenmeer vor dem Buckingham Palace werden in einem direkten Kausalzusammenhang gestellt mit der privaten Sorge der Queen Mum, dass die für sie geplante Begräbniszeremonie nun bei Diana Anwendung findet.

Gleichzeitig arbeitet Frears pointiert den Gegensatz und den subtilen Machtkampf zwischen dem für Modernisierung eintretenden Labour-Premierminister Tony Blair und der Traditionen über alles setzenden, steifen und scheinbar gefühllosen Königin Elisabeth heraus. Grobe Überzeichnung ist kaum nötig. Angesichts des anachronistischen Lebensstils der Royals wird The Queen schon durch den genauen Blick für Details zur Satire.

Leicht wäre es gewesen sich im Stile von Monty Python mit grellen Witzen über die Royals lustig zu machen. Frears wählt aber den schwierigeren Weg. Indem der Film nah an der (vermutlichen) Realität bleibt, mischt sich in die Komik auch die Tragik eines durch Etikette und Traditionen bestimmten unfreien Lebens. Wie der zum Abschuss bestimmte Hirsch, dessen Schönheit die Königin bewundert, scheint auch diese starre Lebensform und mit ihr die Regierungsform in der modernen Mediengesellschaft dem Untergang geweiht.

Weil jede Szene ihre Funktion hat, jede Dialogzeile sitzt und die verschiedenen Ebenen perfekt ineinandergreifen, treten diese Ambivalenzen klar zu Tage. Trotz der Scharfsicht fehlt aber auch nicht die emotionale Komponente. Durch das exzellente Spiel der von einer überragenden Helen Mirren angeführten Darsteller werden die Royals zu Menschen aus Fleisch und Blut, deren Schicksal berührt. Langsam wandelt sich die Stimmung von sanfter Ironie zu Mitgefühl und einer Liebeserklärung an die Königin: Schrullig und überholt mag ihr Lebensstil sein, dennoch bleibt sie für Frears ein gerade in schnelllebigen Zeiten durch ihre Beständigkeit wichtiger Bestandteil Englands. Walter Gasperi

 

 

 



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The Queen


Komödie/Drama
Großbritannien 2006
Regie Stephen Frears

Drehbuch Peter Morgan
Kamera Affonso Beato
Schnitt Lucia Zucchetti
Musik Alexandre Desplat
Production Design Alan MacDonald
Kostüm Consolata Boyle

Mit Helen Mirren, Michael Sheen,
James Cromwell, Sylvia Syms, Alex Jennings
Verleih Filmladen, 97 Minuten

www.thequeen-movie.com




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