Der Lucky Punch

Zum zehnjährigen „Shooting Star“- Jubiläum bei der Berlinale 2007 entsendet die Austrian Film Commission Sabrina Reiter, Hauptdarstellerin von Andreas Prochaskas Alpen-Horrortrip „In 3 Tagen bist du tot“. Ein Porträt.

 

Mit unbefangener Beschwingtheit hat sich Sabrina Reiter in ihr erstes Casting geworfen. „Angefangen hat es damit, dass ich von einem Fest am Vortag noch leicht gemütlich drauf war“, sagt sie und lacht über ihre Umschreibung von Restalkohol, „und ich dachte zunächst nicht dran, dass dabei etwas herauskommt. Ich wollte nur wissen, wie so etwas überhaupt abläuft.“ Nach weiteren Castings und einem Workshop schien ihr die Rolle der Mona in Andreas Prochaskas Teenie-Horrorthriller bereits sicher. „Der Schock kam, als ich plötzlich noch einmal nach Wien geholt wurde“, erzählt Reiter weiter, die damals in Salzburg lebte, „und ich die Rolle plötzlich nicht mehr hatte. Der Produzent war es, der zum Regisseur gesagt hat: Probiere sie doch einmal als Nina! Und dann hat‘s gepasst, auch für Andreas.“

Vielleicht hatte ihr der um Authentizität bemühte Regisseur die zum Teil recht harten Passagen („Bist du dir sicher, dass du weißt, worauf du dich einlässt?“) nicht zugetraut. Schließlich leidet die zierliche Schauspielerin gleich in ihrem ersten Spielfilm alle erdenklichen körperlichen und psychischen Qualen. Und sie überzeugt, ganz ohne Ausbildung. Diese geht sie jetzt aber umso konsequenter an: Beim Filmfest in Locarno, von dem Sabrina Reiter besonders beeindruckt war, als sie In 3 Tagen bist du tot zum ersten Mal im Freien auf einer Riesenlandwand sah, gewann das junge Talent neben dem Publikumspreis auch den Undine Award als beste Debütantin und bekam damit die Chance, drei Monate am renommierten Lee Strasberg Institute in New York zu studieren.

„Ich möchte diese Art, möglichst natürlich zu agieren, ausbauen“, sagt die am 5. August 1983 in Klagenfurt geborene gelernte Zahntechnikerin, „für mich ist das genau der Kick, ein lucky punch, von dem ich geträumt habe, schon deshalb, weil ich mir auch immer gewünscht habe, in so einem Film zu spielen.“ Schuld daran ist der drei Jahre ältere Bruder – der sammelt nämlich seit Jahren Horrorfilme. So kam die angehende Actrice schon sehr früh in den Genuss von Genreklassikern wie Freitag, der 13.

Scheinbar im Widerspruch zu Reiters fröhlichem Wesen steht, dass sie in ihrer Rolle als einzige von den fünf Maturanten ein wenig tiefer schürft. Aus eigener Erfahrung kennt sie das Gefühl, in eine neue Klasse zu kommen und sich einerseits beweisen, andererseits anpassen zu müssen, um nicht in eine Außenseiterrolle zu kippen, sehr gut. Beste Voraussetzungen, um sich in das Ensemble einer Filmproduktion einzufügen, und mögliche Durststrecken oder Krisen zu überstehen. Was wäre, wenn das alles jetzt nicht so super gelaufen wäre? „Für mich war klar, dass ich spätestens Ende des Jahres nach Berlin auf eine Schauspielschule gehen wollte.“ Vom Shooting-Star-Event im Februar erwartet Reiter sich „eigentlich nix Konkretes, einfach drei coole Tage in Berlin“. Den Weg dorthin hat sie sich zumindest etwas verkürzt.



Kein Kommentar vorhanden.



Foto ~ Manfred Weihs



Tags


Social Bookmarks