Tagebuch eines Skandals

Eine junge Lehrerin wird durch ihre Affäre mit einem ihrer Schüler zum Opfer einer Erpressung.

 

„She’s the one I’ve waited for!” Sie, das ist Sheba, die junge, attraktive Zeichenlehrerin an einer heruntergekommenen staatlichen Realschule und neue Kollegin von Barbara Covett, die dort seit Jahrzehnten als Geschichtslehrerin respektiert, ja gefürchtet ist. Anvertraut wird die schicksalsreiche Ankunft dem geliebten Tagebuch, neben Katze Portia die einzige Vertrauensinstitution in Barbaras einsamem Reihenhausdasein. Der Start in den Schulalltag mit rüpelhaften Pubertierenden ist für die gefühlvolle Sheba alles andere als leicht. In einem Autoritätskonflikt kommt Barbara der attraktiven Kollegin gerne zu Hilfe, eine besondere „Freundschaft“ nimmt ihren Anfang. Schnell gibt Sheba, offenherziger Freigeist aus betuchter Familie, Zugang und Einblick in ihr liberales, scheinbar perfektes Familien- und etwas lustloses Eheleben mit einem deutlich älteren Akademiker, einer Tochter im Teenageralter und einem behinderten Sohn. Als Barbara durch Zufall hinter das geheime Verhältnis Shebas mit einem ihrer Schüler kommt, sieht sie ihre Chance gekommen, Sheba noch enger an sich zu binden. Doch menschliche Schwäche, Enttäuschung und die Instrumentalisierung von Abhängigkeiten enden unausweichlich in einem Skandal mit desaströsen Folgen für alle Beteiligten.

Cate Blanchett und Judi Dench verleihen der Filmadaption von Zoe Hellers Erfolgsroman What Was She Thinking (2003) genial, facettenreich, zwischen naiv, listig, geistreich, maliziös und monströs oszillierend, Leben, machen eine Geschichte von jahrzehntelanger Isolation und aufgestauter Enttäuschung,  ebenso wie eine desperate Suche nach Zuneigung, Liebe und Glück, die in Obsession endet und auch vor Manipulation und Erpressung nicht zurückschreckt, fühl- und nachvollziehbar. Auch wenn die Inszenierung nach dem ersten, sehr stimmigen und in bester britischer Arthouse-Tradition entwickelten Drittel mit einem guten Blick für Klassenverhältnisse und Charakterdetails letztlich doch auch auf erwart- und absehbare Höhepunkte und Wendungen setzt.

Einerlei, man sollte sich dem subtilen Miteinander von Blanchett und Dench, ungeschminkt, uneitel, faltig und showing her age, einfach hingeben. Durch Denchs Rolle wird deutlich, wie wichtig eine rechtliche Gleichstellung für Gays ist. Jahrelange öffentliche (Selbst-) Verleugnung und die Erpressbarkeit mit möglicherweise verheerenden Auswirkungen sollten in einer modernen Gesellschaft nicht mehr möglich und notwendig sein.



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Tagebuch eines Skandals / Notes on a Scandal


Drama, Großbritannien/USA 2006
Regie Richard Eyre
Drehbuch Patrick Marber nach dem Roman von Zoe Heller
Kamera Chris Menges
Schnitt John Bloom
Musik Philip Glass
Production Design, Kostüm Tim Hatley
Mit Cate Blanchett, Judi Dench, Bill Nighy, Andrew Simpson, Philip Davis
Verleih Centfox, 92 Minuten

www.foxsearchlight.com/NOAS

 



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