Paul Thomas Andersons ungewöhnliche Betrachtung der US-amerikanischen Pioniermentalität.

 

In Kalifornien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, macht sich Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) auf, um nach Öl, dem Gold des heraufdämmernden industriellen Zeitalters, zu suchen. Und dieses Ziel verfolgt Plainview mit verbissener Entschlossenheit, jedes Mittel, ob charmante Gaunerei oder rücksichtlose Härte, ist ihm dabei recht. Seine Mitmenschen sind für den Misanthrop aus Überzeugung ohnehin nur zeitweilig nützliche Werkzeuge, erbitterte Feindschaften, wie jene mit dem örtlichen christlich-fundamentalistischen Prediger, pflegt er geradezu mit Leidenschaft. Und so steigt Plainview im Lauf der Jahre zu einem der mächtigsten Männer der Region auf, doch es wird einsam um den Öl-Tycoon. Die Bühne scheint also bereitet für ein Drama von shakespearischer Dimension.

Doch epische Breite und überlebengroße Charaktere bleiben im Kino des Paul Thomas Anderson bloß zwei Elemente unter den zahlreichen Stilmitteln unterschiedlichster Art, die sich auch in There Will Be Blood wieder finden. Den augenscheinlichsten Gegensatz zum großen Drama konventioneller Art bildet dabei der für Anderson so typische (bereits in Boogie Nights so meisterhaft eingesetzte) lakonische, fast beiläufige Erzählstil, der Nebensächlichkeiten und Katastrophen mit nahezu gleicher Intensität ablaufen lässt. Die Konsequenzen der Katastrophen (und davon gibt es in There Will Be Blood genügend) mögen fatal sein, bei Paul Thomas Anderson bleiben sie doch nur letztendlich banale Episoden im „Fluss des Lebens“, deren Bedeutung in demselben sich schon dadurch relativiert.

Andersons Inszenierung reißt eine Vielzahl von Themen und Motiven an, von den Mythen des Pioniergeists bis hin zu zwei so gegensätzlichen Eckpfeilern der US-amerikanischen Gesellschaft, nämlich Business und Religion. Aber, und auch das sind typische Merkmale von Andersons Arbeiten, es werden keine Thesen vorformuliert und schon gar keine einfachen Antworten präsentiert. Bei fast allen Handlungsfäden liegen Tragödie und Farce so eng nebeneinander, dass es dem Auge des einzelnen Betrachters obliegt, welcher Interpretation man den Vorzug gibt. There Will Be Blood erscheint schlussendlich, ähnlich wie Boogie Nights und Magnolia, als ein umgekehrt funktionierendes Puzzle: von Anfang an glaubt man, der Lösung bereits nahe zu sein, doch mit jedem Teilchen, das dazukommt, gewinnt das Gesamtbild immer mehr an Komplexität.



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There Will Be Blood


Drama, USA 2007
Regie, Drehbuch Paul Thomas Anderso

Kamera Robert Elswit
Schnitt Dylan Tichenor
Musik Jonny Greenwood
Production Design Jack Fisk
Kostüm Mark Bridges
Mit Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Ciaran Hinds, Russel Harvard, David Willis
Verleih Walt Disney, 158 Minuten

 

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