Baarìa

Sizilianische Seifenoper im Hochglanzformat: folkloristischer Bilderbogen, opernhaft inszeniert

 

Bagheria in der sizilianischen Provinz Palermo, von den Sizilianern „Baarìa“ genannt, ist die Geburtsstadt des Regisseurs Guiseppe Tornatore. Baarìa wird von Tornatore als sein „persönlichster“ Film bezeichnet weil er anhand der eigenen Familiengeschichte über drei Generationen eine Chronik dieser Stadt entwirft. Historische, politische und städtebauliche Entwicklungen zwischen Faschismus, kommunistischer Partei, Christdemokraten, Studentenbewegung und Mafia werden verarbeitet.

Peppino, Sohn eines Schafhirten, ist ein aufgeweckter, aufsässiger Junge, der früh arbeiten muss, damit sich die bitterarme Familie ernähren kann. Das Italien der Dreißiger Jahre ist geprägt von Repression und Gewalt. Faschisten und Mafiosi arrangieren sich auf Kosten der Armen und Schwachen miteinander. Nach dem Ende des Krieges und des faschistischen Regimes muss Peppino erkennen, dass die alten Seilschaften weiter bestehen. Er ist empört über die Großgrundbesitzer, die die einfachen Leute ausbeuten, und tritt in die Kommunistische Partei ein. Sein Leben lang bleibt er dort engagiert und verfolgt leidenschaftlich seine Karriere, die ihm allerdings verwehrt bleibt. Seine große Liebe und Ehefrau Mannina liebt ihn dennoch und gebiert ihm fünf Kinder. Und Peppino liebt das Kino, und so interessiert er sich auch besonders für Dreharbeiten, die an der Villa Palagonia stattfinden. Hier erfahren wir ganz nebenbei, dass die einzigartige Gartenanlage der Villa in den Siebziger Jahren teilweise durch die von der Mafia kontrollierten städtebaulichen Maßnahmen zerstört wurde. Tornatores Kritik wird überdeutlich, als er den obersten Stadtplaner als Blinden zeigt, der sich von Investoren bestechen lässt. Als Peppinos Sohn Pietro Anfang der Achtziger Jahre zum Studium aufbricht, lässt sich unschwer vermuten, dass er Filmemacher werden wird und dass es sich hier um den Regisseur selbst handelt. In Baarìa will Guiseppe Tornatore einfach alles erzählen: ein Familienepos, eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, eine Chronik über die großen politischen Kämpfe und Konflikte des 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt eine Geschichte über den Zauber der von Kunst, allen voran dem Film, ausgeht. Er tut dies in forciertem Schweinsgalopp und vergisst dabei, dass jede Geschichte, die erzählt werden soll, auch ihren eigenen Raum braucht. So aber erlebt man 150 Minuten lang ein opernhaftes, leicht folkloristisches, aber in jedem Fall auf Hochglanz poliertes Sizilien-Spektakel. Am Ende bleibt leider nur der Eindruck von in Sonne getauchten schönen Menschen.



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Baarìa


Drama, Italien 2009
Regie, Drehbuch Guiseppe Tornatore
Kamera Enrico Lucidi
Schnitt Massimo Quaglia
Musik Ennio Morricone
Production Design Maurizio Sabatini
Kostüm Antonella Balsamo, Luigi Bonanno
Mit Francesco Scianna, Margareth Madè, Nicole Grimaudo, Angela Molina, Monica Bellucci, Lina Sastri
Verleih Tobis Film, 150 Minuten

www.baaria.de




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