Cineastische Schatzkammer

Nitrofilme sind selbstentzündend und schwer zu lagern. Das Filmarchiv Austria hat nun ein spezielles Depot für die explosiven Kulturschätze errichtet.

 

Ende September eröffnete das Filmarchiv Austria im niederösterreichischen Laxenburg ein neues Nitrofilmdepot. Der Ausdruck „neu“ ist dabei wörtlich zu nehmen: Das Depot ist das erste Filmarchiv-Gebäude der Welt, das in Massivholzbauweise in Kombination mit erneuerbaren Energiesystemen – der gesamte Energiebedarf wird mit Solarenergie abgedeckt – errichtet wurde. Ernst Kieninger, Leiter des Filmarchiv Austria, sieht in dem Gebäude einen „kraftvollen, ja fast kontemplativen Ort“. Das Haus mit seiner Architektur der einfachen, klaren Formen (Entwurf: Ernst Michael Jordan) wurde sanft in die umgebende Natur eingebettet und zeigt, dass Funktionalität und Ästhetik einander nicht ausschließen. Doch auch die inneren Werte des Depots können sich sehen lassen, denn die Nitrofilmsammlung ist der historisch älteste Bestand des Filmarchiv Austria und umfasst wahre Schätze aus dem österreichischen Kulturerbe: unter tausenden Filmen aus dem Spiel- und Dokumentarfilmbereich finden sich etwa die Original-Filmberichte der Staatsvertragsunterzeichnung. (Die ältesten Nitrofilmaufnahmen stammen übrigens von den Vätern des Kinos, den Gebrüdern Lumière, und entstanden im Jahr 1895.)

Der Bau des Depots war nötig geworden, da der alte, 1968 errichtete Nitrofilmbunker die Grenzen seiner Kapazität erreicht hatte und archivierungstechnisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit war. Zudem ist Nitrofilm äußerst schwer zu lagern, da er leicht brennbar und chemisch instabil ist; der fortwährende Zersetzungsprozess kann demnach nur durch gute Klimatisierung und ein ausgeklügeltes Kontrollsystem aufgehalten werden. Die Holzbauweise des Nitrofilmdepots ist ebenso wenig zufällig gewählt wie der asiatisch angehauchte Look: Holz absorbiert Schadstoffe, die bei der Alterung von Nitrofilm anfallen und wirkt sich dämpfend auf Feuchtigkeit und Temperatur aus. Inspiriert wurde man dazu von japanischen Holzboxen, in denen sich Nitrofilme trotz schwieriger Bedingungen über Jahrzehnte hinweg erhalten haben. So ist das Nitrofilmdepot Laxenburg nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein ökologisches Vorzeigeprojekt, in dem Österreichs Filmschätze auch in den nächsten Jahrzehnten gut aufgehoben sind.



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