Guru – Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard

Spannend-dramatische Aufarbeitung eines Phänomens der Siebziger Jahre

 

Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein“ hieß der Bestseller, den der indische Philosophie-Professor Rajneesh Mohan, der spätere Bhagwan Shree Rajneesh, 1969 veröffentlichte. Gerade im Westen fielen die Worte des Weisen aus Indien auf fruchtbaren Boden. Eben erst waren die wilden Sechziger mitsamt sexueller Revolution zu Ende gegangen und Selbstfindung stand ganz oben auf der Tagesordnung. Weithin schallte der Ruf des Gurus nach dem „neuen, ganzen Menschen“, der westliche Effektivität und östliche Spiritualität in sich vereinen sollte, und zahlreich folgten ihm Sinn suchende Männer und Frauen. Zunächst in den Ashram nach Poona und später dann nach Rajneeshpuram, auf die Big Muddy Ranch im US-amerikanischen Oregon, wo die Sannyasin-Bewegung ihr unrühmliches Ende finden sollte.

In Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard vollziehen Sabine Gisiger und Beat Häner die Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Sekte anhand der Erinnerungen zweier ihrer Schlüsselfiguren nach. Mit Sheela Birnstiel, Bhagwans Sekretärin und Leiterin der Kommune in Oregon, und Hugh Milne, Bhagwans Leibwächter und Chef der Sicherheitstruppe des Ashrams, legen zwei archetypische Funktionsträger aus dem Zentrum der Macht vor der Kamera Zeugnis ab. Es ist das Zeugnis der Niederlage einer Utopie, verursacht durch die Verquickung von Machtmissbrauch, Profilierungssucht, Paranoia und ideologischer Korruption. Birnstiel, die ihre hohe Position im Sektengefüge mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe büßte, und Milne, der von der Ranch gejagt wurde und einen Selbstmordversuch unternahm, werfen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven Licht auf das Geschehen. Gisiger und Häner montieren dazu Originalaufnahmen, die Aufschluss geben über die Veränderung einer Gemeinschaft, die kollektiv an einem humanen Ideal arbeiten wollte und in einer Art totalitär überwachtem Zwangsarbeitslager endete. Der Umstand, dass diese Entwicklung mit dem Ortswechsel von Indien in die USA einherging, öffnet das zeitgeschichtlich verankerte Thema des Films auch soziologisch. Der gescheiterte Versuch der Sannyasins, sich in den USA zu institutionalisieren, wirft die Frage nach der Wirkungsweise der beteiligten gesellschaftlichen Kräfte auf. Freilich auch die nach der Motivation eines geistigen Führers, der das Seelenheil seiner Anhänger zugunsten einer Flotte von 96 Rolls Royces aus dem Auge verliert.



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Guru – Bhagwan, his Secretary & his Bodyguard


Dokumentarfilm, Schweiz 2010
Regie, Drehbuch
Sabine Gisiger, Beat Häner
Kamera Matthias Kälin, Beat Häner
Schnitt Barbara Weber
Musik Marcel Vaid
Verleih Polyfilm, 98 Minuten

www.gurufilm.ch




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