Veronika beschließt zu sterben

Nach einem gescheiterten Suizidversuch lernt die junge New Yorker Bankerin Veronika in einer Klinik für psychisch Kranke das Leben zu lieben.

 

Die junge, unglückliche New Yorker Bankerin Veronika hat alles und will doch sterben. Sie schluckt viele bunte Pillen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch sie erwacht und findet sich in einer Nervenklinik wieder. Der Arzt erklärt, dass ihr Herz durch die Überdosis schwer angegriffen wurde und sie nur noch wenige Wochen zu leben hat. Erst angesichts des nun angekündigten Todes entdeckt Veronika, wie schön das Leben sein kann, wenn man darum kämpft und etwas riskiert. Veronika besinnt sich auf ihre Leidenschaft zum Klavierspiel und verliebt sich in einen Mitpatienten, den schweigsamen Edward (Jonathan Tucker). So einfach kann es sein: Weil Veronika sich öffnet und ihre Leidenschaften ernst nimmt, wird aus der eben noch lebensmüden plötzlich eine kraftvolle und glückliche Person. Das klingt nach einem verfilmten Lebensratgeber, und in gewisser Weise ist es das leider auch. Die Vorlage zu dem Film ist nämlich der gleichnamige Roman des Bestsellerautors und Lebensweisheitsgurus Paulo Coelho.

Coelhos Buch, das monatelang auf den Bestsellerlisten festklebte, beruht auf autobiografischen Erfahrungen des Autors, der als junger Mann ebenfalls mehrfach in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Vielleicht lässt sich deshalb auch ein authentischer Kern der Geschichte identifizieren. Der Film ist glücklicherweise weitgehend frei von ausgeführter Vulgärpsychologie und Esoterik, die den Büchern Coelhos sonst anhaften. Vor allem aber überrascht die britische, noch nahezu unbekannte Regisseurin Emily Young damit, dass sie diesem Stoff ästhetisch eher subtil und eigenwillig begegnet. Sie vermeidet Kitsch und den Druck auf die Tränendrüse (mit einer Ausnahme: Veronika am Klavier) und konzentriert sich stattdessen auf Details. Sie spielt mit der Wahrnehmung ihrer Protagonistin und lässt die Bilder immer wieder verschwimmen, wodurch man eintaucht in Veronikas Gemütszustand. Serienstar Sarah Michelle Gellar spielt die Rolle der Veronika mit Zurückhaltung und Einfühlungsvermögen. Leider wird der Zuschauer am Ende dann doch noch von einer aufdringlichen Feelgood-Message eingeholt. Diese lautet: Die psychisch Kranken sind nicht krank, sondern nur anders – Sei du selbst und sieh zu, dass du dich nicht verlierst. Aus einer mäßig guten Vorlage wird eben selten ein guter Film.



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Veronika beschließt zu sterben / 
Veronika Decides to Die


Drama, USA 2008
Regie
Emily Young
Drehbuch Larry Gross, Roberta Hanley nach dem Roman von Paulo Coelho
Kamera Seamus Tierney 
Schnitt Úna Ní Dhonghaíle
Musik Murray Gold
Production Design John Nyomarkay
Kostüm Frank Fleming
Mit Sarah Michelle Gellar, David Thewlis, Melissa Leo, Victor Slezak, Erika Christensen, Joanathan Tucker, Barbara Sukowa
Verleih Einhorn Film, 103 Minuten

www.veronikabeschliesstzusterben-film.de




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