Pieta

Rache- und Sühnegeschichte vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Rezession in Korea

 

Die in seiner Ein-Mann-Kinoperformance Arirang (2011) dokumentierte dreijährige Sinn- und Schaffenskrise hat Kim Ki-duk offensichtlich überwunden. In Pieta kombiniert der aus einem protestantischen Elternhaus stammende Regisseur Kapitalismus- und Gesellschaftskritik mit christlicher Ikonografie und aus früheren Filmen wie Bad Guy oder Samaritan Girl bekannten Bild- und Handlungsmotiven – Vergewaltigung, Vergebung oder zwischenmenschliche Beziehungen im Spannungsfeld von Aggression und Libido – zu einem tiefernsten Schuld- und Sühne-Drama von großer Eindringlichkeit. Anstelle der biblischen Schlange im Paradies dienen hier Aale als Symbol für den Sündenfall.
Ein elternlos aufgewachsener, alleinstehender junger Mann treibt im Auftrag eines Kredithais mit brachialer Gewalt Außenstände ein. Er bricht den Schuldnern Gelenke oder Knochen und kassiert dafür deren Unfallversicherungssummen. Als eine enigmatische ältere Dame in sein Leben tritt, die sich als seine Mutter ausgibt und ihn fürsorglich bemuttert, bekommt die für den brutalen Job notwendige emotionale Panzerung des Gewaltmenschen Risse. Er empfindet Mitleid für seine Opfer und macht eine Art Läuterungsprozess durch, der in einer absonderlichen Katharsis kulminiert.
„Die Gewalt in meinen Filmen reflektiert die Grausamkeit unseres Daseins und der Welt, in der wir leben“, erklärt Kim. „Die Menschen heutzutage sind besessen vom Irrglauben, dass Geld alle Probleme lösen könne. Dabei ist in den meisten Fällen Geld das Problem.“ Liebesmangel, Materialismus, Korruption, hoffnungslose Verschuldung und Flucht vor Gläubigern sind Themen, die immer wieder im zeitgenössischen südkoreanischen Kino behandelt werden. Wie anderswo in der Welt wird auch in Korea die Kluft zwischen Armen und Reichen, Habenichtsen und Wohlhabenden immer größer. Häufig wird in den Medien von Menschen berichtet, die durch materielle Verelendung in den Selbstmord getrieben wurden. Die Verehrung des Mammons geht einher mit spiritueller Verarmung, die dazu führt, dass doktrinäre christliche Glaubensgemeinschaften in Korea mehr und mehr Zulauf erhalten.
Die traditionelle buddhistische Religiosität hingegen ist mit dem Kapitalismus kaum kompatibel und wird immer seltener praktiziert. Kim Ki-duk, der sich selber als „wenig gläubig“ bezeichnet, wurde für Pieta bei den 69. Internationen Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.



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Drama, Südkorea 2012


Regie, Drehbuch, Schnitt Kim Ki-duk
Kamera
Jo Yeong-jik
Musik
Park In-young
Production Design
Lee Hyun-joo
Kostüm
Ji Ji-jeon

Mit Lee Jeong-jin, Cho Min-soo,
Woo Gi-hong, Kang Eun-jin,

Jo Jae-ryong, Lee Myung-ja
Verleih Polyfilm, 104 Minuten

www.polyfilm.at

 

 



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