The Look of Love

Gefällig oberflächliches Biopic eines britischen Pornokings

 

Paul Raymond wurde 1925 in Liverpool geboren und eröffnete 1958 in London den ersten Strip Club Großbritanniens. 1964 gründete er das Verlagshaus Paul Raymond Publications, unter dessen Dach die Softporno-Magazine „Men Only“, „Escort“, „Club International“, „Razzle“, „Mayfair“ u.a.m. erscheinen. 1974 erwarb er das erste von mehreren Theatern, in denen er Sexkomödien zur Aufführung brachte. Raymond verdiente einen Haufen Geld und kaufte davon im großen Stil Immobilien. Er war ein überaus erfolgreicher Geschäftsmann, Multimillionär und der „King of Soho“. Als er schließlich seine Geschäfte an seine Tochter Debbie übergeben wollte, fiel diese 1992 einer Überdosis Drogen zum Opfer. Danach zog Raymond sich aus der Öffentlichkeit zurück und starb 2008 an Lungenversagen.
Michael Winterbottom hat das bewegte Leben des Paul Raymond nun als bunten, geschmeidig montierten Bilderbogen verfilmt, der an seinem Gegenstand abprallt. The Look of Love swingt fröhlich durch sichtlich aufwändig gestaltete Sets, in denen sichtlich aufwändig eingekleidete Figuren durchaus fragwürdigen Tätigkeiten nachgehen. Dramaturgie, Charakterisierung, visuelle Umsetzung – alles ist ein wenig zu glatt geraten und zu weichgespült, als dass sich die dem Stoff inhärenten Möglichkeiten der Problematisierung des in Rede stehenden Geschäftszweiges Geltung verschaffen könnten. Nun ist es freilich Winterbottoms gutes Recht, sich Raymond aus einem Blickwinkel heraus zu nähern, der den Unternehmer und sein lukratives Erotik-Imperium unkritisch zu Vorreitern der sexuellen Befreiung macht. Aber ein wenig seltsam, um nicht zu sagen: verharmlosend, darf man diesen Blickwinkel schon finden.
Die Besetzung der Hauptfigur mit dem britischen Komiker Steve Coogan unterstützt die Leichtgewichtigkeit des Films, bei der es sich im Grunde um ideologische Leichtfertigkeit handelt, noch. Coogans Raymond kann man nichts verübeln; nicht einmal, dass er seiner koksenden Tochter den Stoff nicht entreißt, sondern ihr vielmehr rät, nur den besten Koks und den nicht auf der Straße zu kaufen. Neben Raymonds eisig-distanziertem Zusammentreffen mit einem illegitimen Sohn ist dies eine der wenigen Szenen, in denen die charakterliche Verfasstheit der Figur in Frage gestellt wird. Kurz tun sich Blicke auf in jenen Film, der The Look of Love hätte sein können. Dann sind die Momente auch schon wieder vorbei. Auf zur nächsten Fete!



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Biopic, Großbritannien 2012


Regie Michael Winterbottom
Drehbuch
Matt Greenhalgh
Kamera
Hubert Taczanowski
Schnitt
Mags Arnold
Musik
Antony Genn, Martin Slattery
Production Design
Jacqueline Abrahams
Kostüm
Stephanie Collie

Mit
Steve Coogan, Imogen Poots, Anna Friel,
Tamsin Egerton, James Lance, Chris Addison,
Matthew Beard, Simon Bird

Verleih
Filmladen, 99 Minuten

www.filmladen.at



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