Love & Friendship

Whit Stillman verfilmt Jane Austen: eine Traumpaarung

 

Man muss kein Adorant von Jane Austen sein, um diesen Film zu mögen. Verehrer von Kate Beckinsale werden ihn lieben. Als Lady Susan Vernon kokettiert und schummelt sie sich zum Zwecke der Wohlstandssicherung höchst elegant durch diverse Familiensalons der gehobenen Gesellschaft im England des 18. Jahrhunderts. Mit ihrer aus Amerika zurückgekehrten Freundin Mrs. Alicia Johnson (Chloë Sevigny) als verschworener Konsulentin in Sachen Partnerwahl und Männermanipulation versucht die verwitwete Lady Susan, libertär und darob skandalumwittert, einen jeweils passenden Gatten für sich selbst und ihre renitente Tochter Frederica zu finden. Alle drei aufgebotenen Kandidaten haben freilich ein Manko: Sie sind zu arm bzw. zu dumm bzw. zu verheiratet.

Dem Film liegt ein knapp 50 Seiten schmales Manuskript aus der Jugend Jane Austens zugrunde. Es blieb zunächst unvollendet, wurde 1805 unter dem Titel „Lady Susan“ fertiggestellt und wie die meisten Schriften der freigeistigen Autorin erst nach ihrem Tod unter ihrem Namen veröffentlicht. Whit Stillman verwandelte das von Austen als Briefroman konzipierte Werk in eine erfrischende Konversationskomödie voller amüsanter Verstrickungen und Wendungen. Den Titel Love & Friendship entnahm er einem weiteren, parodistischen Frühwerk Austens, weil dieser mehr an ihre späteren großen Romane erinnert. In Szene gesetzt mit ausgezeichneter Besetzung und opulenter historischer Ausstattung (gedreht wurde aus Kostengründen an gregorianischen Orten in Dublin und Umgebung), kommt hier auch Stillmans Faible für glamouröse Garderobe und ausladende Hutkreationen zur Geltung. 18 Jahre nach The Last Days of Disco bat er seine damaligen Heldinnen Kate Beckinsale und Chloë Sevigny erneut zum Tanz auf dem Parkett der sozioökonomisch besser gestellten Männerwelt. Wie in jenem charmanten Abgesang auf die Nachtklubszene im Manhattan der achtziger Jahre spielt die Musik eine dritte Hauptrolle, hier in Form affektorientierter Barockmusik, die Stillmans Haus-Arrangeur Mark Suozzo zwischen Purcell, Händel und Vivaldi ausgesucht hat. Wie in The Last Days of Disco spinnt das weibliche Duett Intrigen, bricht Herzen und beseitigt allfällige Unpässlichkeiten durch Improvisationstalent. Und wie damals spielt Beckinsale, inzwischen mehrfach kostümfilm-erprobt, die etwas Selbstbewusstere und Mutigere der beiden. Dass aus Mädchen nun Damen geworden sind, hat ihrer Attraktivität keinerlei Abbruch getan.

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Literaturverfilmung, Irland/Niederlande/Frankreich/USA 2016


Regie, Drehbuch Whit Stillman nach der Brief-Novelle „Lady Susan“ von Jane Austen
Kamera
Richard Van Oosterhout

Schnitt Sophie Corra
Musik Mark Suozzo, Benjamin Esdraffo

Production Design Anna Rackard
Kostüm Eimer Ni Mhaoldomhnaigh
Mit Kate Beckinsale, Chloë Sevigny,
Xavier Samuel, Morfydd Clark,
Stephen Fry, Emma Greenwell,

James Fleet, Jemma Redgrave,
Justin Edwards, Tom Bennett,

Jenn Murray, Jordan Waller

Verleih
Polyfilm, 96 Minuten
Kinostart 29. Dezember



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