FREE FIRE

Ein Film, der das Versprechen seines Titels hält. Nicht mehr, vor allem aber auch nicht weniger

 

Irgendwann in den späten siebziger Jahren. Der Schauplatz ist eine aufgelassene und heruntergekommene Lagerhalle im Bostoner Hafen. Das Personal besteht aus einem knappen Dutzend zwielichtiger Geschäftsleute, undurchschaubarer Vermittler, kurzluntiger Männer fürs Grobe, unterbelichteter Handlanger und unliebsamer Überraschungsgäste. Grund des Zusammentreffens in der Lagerhalle: Abwicklung eines Handels. Gegenstand dieses Handels: ein Haufen Waffen. Daraus folgende, naheliegende Überlegung: Besser ist es, wenn dieser Deal nicht schiefgeht, denn wer sich in Gegenwart von Waffen streitet, nimmt selbige schnell mal zur Hand und das kann dann rasch recht unerquicklich für alle Beteiligten werden.

Regisseur Ben Wheatley allerdings und Amy Jump, seine Drehbuchpartnerin in crime, überlegten offenbar anders, nämlich eher in Richtung: Schiefgehender Waffendeal? Hurra, Superidee! Genau das machen wir! Und weil sie Ben Wheatley und Amy Jump sind, auf deren Konten filmische Wahnwitzigkeiten wie Sightseers (2012), A Field in England (2013) und zuletzt High-Rise (2015) gehen, eskalieren sie die Ausgangsidee bis zur Implosion. Soll heißen, dass nach knapp halbstündiger Exposition eine nicht enden wollende Schießerei beginnt, deren Virtuosität in ihrem rhythmischen An- und Abschwellen zu suchen und zu finden ist. Welches wiederum in Korrelation steht zu den Bewegungen der in wechselnden Allianzen sich zusammenfindenden Ballermänner und -frau durch den Raum. Sowie dem zunehmend desolateren Zustand sowohl von Personal als auch Ort. Während letzterer sich allmählich in Kleinholz und Feinstaub verwandelt, durchläuft ersteres von verletzt, angeschossen, schwer lädiert, nahezu bewegungsunfähig über halbtot, fast tot, tot bis hin zu scheintot und mehr tot als lebendig alle Stadien zwischen Dasein und Jenseits.

Abgesehen davon passiert in Free Fire eigentlich nichts. Was den Film ziemlich sparsam und ökonomisch erscheinen ließe, wäre da nicht die luxuriöse Besetzung, die Kapazunder vom Schlage Cillian Murphy, Sharlto Copley, Armie Hammer, Brie Larson und Sam Riley versammelt. Geradezu entfesselt stürzen sich nun diese feinen Charakterdarsteller ins Krawallgeballer, lassen die Sau raus und hetzen ihre vor Boshaftigkeit nur so strotzenden und vielfarbig lasterhaft schillernden Schurken aufeinander. Sie kennen keine Gnade und sie geben kein Pardon. Was will man mehr?

 



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Action, Großbritannien 2016


Regie Ben Wheatley
Drehbuch Ben Wheatley, Amy Jump
Kamera Laurie Rose
Schnitt Ben Wheatley, Amy Jump
Musik Geoff Barrow, Ben Salisbury
Produktion Design Paki Smith
Kostüm Emmy Fryer
Mit Armie Hammer, Brie Larson, Cillian Murphy, Sharlto Copley, Sam Riley, Enzo Cilenti, Noah Taylor, Jack Reynor, Patrick Bergin
Verleih Einhorn Film, 90 Minuten
Kinostart 6.April

 

 



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