Die Macht der Macht

Zum Start von Episode VIII der Saga: Mark Hamill über die ungebrochene Faszination von „Star Wars“, den Mythos Luke Skywalker und über die Trauer um seine Freundin Carrie Fisher.

 

Mitte der siebziger Jahre war Mark Hamill einer von zahllosen jungen Schauspielern, die an ihrer Karriere in Hollywood bastelten. Erste Schritte, wie eine durchgehende Rolle in der erfolgreichen Soap Opera General Hospital und einige weitere Auftritte in diversen Fernsehserien, hatte Hamill absolviert, doch vom großen Durchbruch war er noch weit entfernt. Das sollte sich mit dem Vorsprechen für einen Sci-Fi-Film eines jungen Regisseurs namens George Lucas ändern. Mark Hamill bekam die Rolle, der Film ist natürlich Star Wars – der mittlerweile in der Chronik als Star Wars: Episode IV – A New Hope firmiert. Die unvergleichliche Erfolgsgeschichte der Saga nahm nach der Premiere im Mai 1977 ihren Lauf. In den Fortschreibungen The Empire Strikes Back (1980) und Return of the Jedi (1983) übernahm Hamill wieder die Rolle des Luke Skywalker, die ihn weltberühmt machen sollte. Trotz einiger durchaus bemerkenswerter Arbeiten – vor allem sein Auftritt in Samuel Fullers grandiosem Kriegsfilm The Big Red One muss dabei erwähnt werden – konnte Hamill nicht wie sein Kollege Harrison Ford an den Erfolg von Star Wars im ganz großen Stil anknüpfen.

George Lucas arbeitete ab 1999 mit drei Filmen (Star Wars: Episode I – The Phantom Menace, Star Wars: Episode II – Attack of the Clones, Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith) die Anfänge des Konflikts zwischen dem Imperium und der Rebellenallianz auf, ehe er schließlich die Rechte an seinem phantastischen Universum an die Walt Disney Studios verkaufte. Unter dieser neuen Ägide folgte 2015 mit Star Wars: The Force Awakens eine Fortsetzung, die 19 Jahre nach dem Ende von Return of the Jedi spielt und somit Gelegenheit bot, den Original-Cast um Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill neben einer ganzen Reihe neuer Charaktere wieder ins Spiel zu bringen. Auch in dem demnächst anlaufenden Star Wars: The Last Jedi ist der von Hamill gespielte Luke Skywalker als zentrale Figur wieder mit dabei. Doch Episode VIII der Saga wird auch für elegische Momente sorgen, markiert sie doch den letzten Auftritt von Carrie Fisher als Prinzessin Leia – die Schauspielerin verstarb nach Ende der Dreharbeiten völlig unerwartet am 27. Dezember 2016.

 

 


 

Mark Hamill über die nie endende Faszination der Sternen-Saga

 


 

Ganz ehrlich, Mr. Hamill: Werden Sie nicht müde, seit Jahrzehnten über „Star Wars“ zu reden?

Machen Sie Witze? Ich liebe es! Es wird nie langweilig, weil es mich immer wieder überrascht, wie viel Enthusiasmus und Leidenschaft manche Fans haben. Ich dachte, es würde irgendwann weniger werden und ein neues Kinospektakel würde uns Star Wars-Bande in den Ruhestand schicken und alles eine hübsche Erinnerung werden. Aber die Faszination ebbt einfach nicht ab.

 

Was macht in Ihren Augen „Star Wars“ im Allgemeinen und Luke Skywalker im Besonderen so ikonisch?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Eben wurde ich von einem britischen Männermagazin mit einem Preis geehrt, und ich dachte nur: Habt ihr den Verstand verloren? Ich auf dem Cover eines Modemagazins? Ich kann kaum das Haus verlassen, ohne einen augenrollenden Kommentar meiner Tochter: „Du willst wirklich das mit dem kombinieren?!“ Mir macht meine Arbeit einfach Spaß. Als ich in meinen Zwanzigern war, hätte ich nie gedacht, dass ich das auch noch mit 60 tun würde. Nicht nur Star Wars, auch am Broadway und als Sprecher in Animationsfilmen, ich genieße jeden Tag. Als ich im Sommer den Disney Legends Award bekommen habe, meinten meine Kinder: „Daddy, jetzt hast du endlich den Beweis, dass nicht nur du selbst dich für legendär hältst.“

 

Sie sind seit dem ersten „Krieg der Sterne“ 1977 dabei. War es gleich klar, dass Sie auch bei der Abschluss-Trilogie 40 Jahre später mitwirken?

Als George Lucas in den Neunzigern die drei Prequels drehte, meinte er schon zu mir, dass er die anderen geplanten Filme nicht mehr selbst inszenieren würde. Er wollte nicht noch mit Mitte 70 damit zu tun haben. Und dann kam im Sommer 2012 plötzlich ein Anruf, dass er mich sehen wolle. Ich wusste nicht genau, was das zu bedeuten hat. Wenn zum Beispiel eine neue DVD-Edition herauskam, wurde ich etwa gefragt, für eine Dokumentation ein Interview zu geben. So etwas in der Art hatte ich auch da erwartet. Also ging ich mit ihm Abendessen, Carrie Fisher war auch dabei, und er murmelte etwas von: „Ich habe Star Wars an Disney verkauft, sie wollen eine neue Trilogie machen, aber wenn ihr nicht mitmachen wollt, kein Problem, dann schreiben wir Leia und Luke aus der Handlung.“ Ich setzte mein bestes Pokerface auf und blieb ganz cool. Keine zehn Sekunden später rief Carrie: „Ich bin dabei!“ Ich schaute sie nur entgeistert an und meinte später: „Du kannst doch nicht so einfach zusagen!“ Sie entgegnete: „Mark, wie viele Rollen gibt es in Hollywood für Frauen über 50?“ Und sie hatte Recht.

 

Warum haben Sie gezögert?

Mir war es fast eine Nummer zu groß, auch wenn das Drehbuch unglaublich originell war. Aber ich hatte absoluten Bammel davor, das sagte ich auch zu J.J. Abrams, dem Regisseur. Und er sagte: „Den habe ich auch.“ Kaum ein Regisseur würde so etwas zugeben, aber der Druck auf dieses Projekt ist einfach gigantisch. Hätte ich zu viel darüber nachgedacht, hätte ich mich zitternd hinter einem Sofa versteckt. Ich beschloss dann, so zu tun, als sei Star Wars ein kleiner Arthouse-Film, den die Kritiker lieben werden, den sich aber kaum jemand im Kino ansehen wird. Anders hätte ich es aus lauter Panik nicht machen können. Aber als Carrie und Harrison Ford zugesagt hatten, fühlte ich mich wie zum Militär eingezogen, ich wusste, da kam ich nicht mehr raus. Hätte ich abgesagt, wäre ich der am meisten gehasste Mensch im ganzen Fan-Universum gewesen. Sie hätten mein Haus umzingelt wie der wütende Mob in Frankenstein, nur dass sie statt Fackeln Lichtschwerter dabei gehabt hätten. Ich musste also einrücken.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in unserer Printausgabe.


 



Sie sind nicht eingeloggt. Bitte melden Sie sich an, wenn Sie Kommentare schreiben wollen.


Kein Kommentar vorhanden.



STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI / STAR WARS: THE LAST JEDI


Science Fiction/Fantasy, USA 2017
Regie, Drehbuch Rian Johnson
Kamera Steve Yedlin
Schnitt Bob Ducsay
Musik John Williams
Production Design Rick Heinrichs
Kostüm Michael Kaplan
Mit Daisy Ridley, Oscar Isaac, John Boyega, Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Andy Serkis, Lupita Nyong‘o, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Laura Dern
Verleih Walt Disney Studios
Kinostart 14. Dezember

 

 



Tags


Social Bookmarks