Teheran Tabu

Über das Leben mit Doppelmoral, Korruption und Verbot

 

In der iranischen Hauptstadt Teheran kreuzen sich die Wege von vier unterschiedlichen Menschen, die doch eines gemeinsam haben: Sie verstoßen gegen die restriktiven Regeln in Bezug auf Sex, Liebesbeziehungen und Drogen. Pari, deren drogensüchtiger Mann im Gefängnis sitzt, sieht sich gezwungen, als Prostituierte zu arbeiten, um für ihren stummen Sohn Elias sorgen zu können. Als ihr Mann partout nicht in die Scheidung einwilligen will, gerät sie an einen Richter, der ihr die Papiere genehmigt, wenn sie sich regelmäßig auf körperliche Weise erkenntlich zeigt. Der junge Musiker Babak hingegen lernt eines Abends in einem Club die hübsche Donya kennen. Von Drogen berauscht, schlafen die beiden miteinander, gefolgt von einem bösen Erwachen am nächsten Morgen: Donya ist verlobt und muss als Jungfrau in die Ehe gehen. Für die „Wiederherstellung“ des Jungfernhäutchens ist eine Operation nötig, doch diese wird nur mit Einverständnis der Eltern genehmigt, ansonsten kostet sie viel Geld, das Babak und Donya nicht haben. Dann ist da noch Zahra, die eigentlich gerne als Lehrerin arbeiten würde, während ihr Mann Mohsen und ihre Schwiegereltern sehnlichst darauf warten, dass sie endlich ein Kind zur Welt bringt.

Der in Rotoskop-Technik gestaltete Animationsfilm zeigt das hektische Teheran als Ort der Doppelmoral. Hinter einem streng religiösen Regelwerk führen die Menschen ein modernes Leben im Verborgenen und suchen Ablenkung bei den Drogen. Auch wenn die Geschichten teilweise plakativ wirken, so geben sie ein sehr aufschlussreiches und bedrückendes Bild einer Parallelgesellschaft, in die man gezwungen wird, wenn man nicht über genügend Geld und Einfluss verfügt. Pärchen, die im Park aufgehalten und befragt werden, ob sie verheiratet sind, Männer, die an Laternenmasten mitten in der Stadt für ihre Vergehen zur allgemeinen Abschreckung aufgehängt werden, und Frauen, die sich in ihrer Verzweiflung an Quacksalber in dreckigen Hinterzimmern wenden.

Das alles erinnert an Zeiten, die eigentlich längst in der Vergangenheit liegen sollten. Obwohl sich der Film aus mehreren gleichwertig beleuchteten Geschichten zusammensetzt, schafft es Regisseur und Drehbuchautor Soozandeh, die Figuren vielschichtig zu gestalten und starke Emotionen zu wecken. Während man die Protagonisten auf ihrem täglichen Kampf um ein kleines bisschen Freiheit zu einem oftmals hohen Preis begleitet, versetzt man sich in die bedrohliche Lage, in der sie sich befinden, ständig in Angst vor Denunzianten und Ordnungshütern.

 

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Drama, Österreich/Deutschland 2017


Regie Ali Soozandeh
Drehbuch Ali Soozandeh
Kamera Martin Gschlacht
Schnitt Frank Geiger, Andrea Mertens
Kostüm Erika Navas
Ton Normann Büttner, Lukas Spielvogel
Musik Ali N. Askin
Mit Elmira Rafizadeh, Zahra Amir Ebrahimi, Arash Marandi, Bilal Yasar, Negar Nasseri, Payam Madjlessi, Morteza Tavakoli
Verleih Filmladen, 96 Minuten
Kinostart 30. November


 



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