Lady Bird

Blick zurück nach vorn: Greta Gerwig legt ihr autobiografisch inspiriertes Regiedebüt vor.

 

Auf den ersten Blick scheint Lady Bird ein Coming-of-Age-Drama wie viele andere mit einer Handlung, die simpler kaum sein könnte: Mutter und Tochter im Streit, mal mehr, mal weniger, ohne dass jemals eine von ihnen allzu sehr aus ihrer ungeniert im Klischee verhafteten Rolle ausscheren würde. Die Tatsache jedoch, dass Greta Gerwigs famoses Regiedebüt seit seiner Weltpremiere beim Telluride Film Festival im vergangenen September ein überaus erfolgreiches, universelles Eigenleben angenommen hat, zu dem neben zwei Golden Globes und fünf Oscar-Nominierungen auch ein durchaus beachtlicher Absatz an den Kinokassen gehört, lässt zweifelsohne darauf schließen, dass Gerwig mit ihrem semi-autobiografischen Rückblick auf die eigene Schulzeit im katholisch geprägten kalifornischen Hinterland einen besonderen Nerv beim Publikum getroffen zu haben scheint.

Das mag zum einen an Saoirse Ronan liegen, die im Gegensatz zur Titelheldin, die sie verkörpert, in ihrer jungen Karriere bis heute keinen falschen Schritt gemacht hat, sondern stattdessen mit jeder Rolle konsequent an Brillanz und Stärke gewinnt. Auch ihre Darstellung der von Akne und anderen Übeln geplagten 17-jährigen Christine „Lady Bird“ McPherson macht da keine Ausnahme, die eben gerade in dem Alter ist, wo man alles kategorisch ablehnt, was einem von den Eltern in die Wiege gelegt wurde – sogar den eigenen Namen. Und das nicht, um lediglich auf Teufel komm raus schräg oder anders scheinen zu wollen, sondern vielmehr, um sich und der Welt etwas zu beweisen. Denn wie soll sich ein Mittelklasse-Mädchen mit Durchschnittsnoten und keinerlei offensichtlichen Talenten sonst von ihren Wurzeln lösen, geschweige denn von den Klassenkameradinnen unterscheiden? Und so bleibt Lady Bird letztlich nichts anderes übrig, als sich als ausgeprägter Charakterkopf mit Attitüden und rot gefärbten Haaren im Sacramento der frühen Nuller Jahre durch ihren High-School-Abschluss zu quälen.

Ganz zum Leidwesen ihrer Mutter Marion (Laurie Metcalf), versteht sich, die sich weder von den hochtrabenden Plänen ihrer Tochter begeistert zeigt, noch auch nur einen Hauch von Verständnis für alberne Teenage-Probleme jeglicher Art aufzubringen gedenkt. Immerhin hat sie mit den ewigen Doppelschichten als Krankenschwester in der Nervenklinik schon genug um die Ohren, erst recht seit der stets gütige Familienvater Larry (Tracy Letts) seinen Job verloren hat. Und doch gibt es durchaus auch warme, witzige, ja sogar zärtliche Momente zwischen Mutter und Kind, die Lady Bird schließlich genau zu dem klugen, schlagfertigen, verletzlichen, bisweilen aufmüpfigen und einfach bezaubernden Film machen, der er ist.

 



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Lady Bird


Tragikomödie, USA 2017
Regie, Drehbuch Greta Gerwig
Kamera Sam Levy
Schnitt Nick Houy
Musik Jon Brion
Production Design Chris Jones
Kostüm April Napier
Mit Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Tracy Letts, Lucas Hedges, Timothée Chalamet, Odeya Rush, Beanie Feldstein, Lois Smith
Verleih Universal Pictures, 94 Minuten
Kinostart 19. April

 

 



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