Die Poesie der Liebe / Monsieur & Madame Adelman

Szenen einer Ehe zwischen literarischen Höhenflügen und Geheimnissen

 

Sind Frauen die besseren Schriftsteller? Haben sie heimlich die Werke geschrieben, mit denen ihre Männer berühmt wurden? Mit gleich drei Produktionen innerhalb weniger Monate nährt das Kino derzeit den Verdacht, dass das häufiger der Fall sein könnte als man annehmen möchte. Allerdings ist mit der Französin Colette, der später doch noch ihre eigene Karriere glückte, nur ein wirklicher Fall belegt.

In Nicolas Bedos’ Komödie Monsieur & Madame Adelman, in der erst nach und nach ans Licht kommt, wer hinter dem raketenhaften Aufstieg des Protagonisten steht, gewinnt eine solche Emanzipation allerdings wenig Raum. Mit Humor, aber ohne Tiefgang und den intellektuellen Anspruch eines Ingmar Bergmann, schildert der Franzose Szenen einer Ehe, in denen Konflikte nicht ausbleiben, die aber die tiefe Liebe des Paares nicht zerrütten.

Ausgehend von dem Gespräch mit einem Nachwuchsautor, der eine Biografie über den unter seltsamen Umständen verstorbenen Literaturstar Victor Adelman schreiben will, rekapituliert die Witwe in Rückblenden die gemeinsamen Stationen mit dem Verstorbenen, angefangen von der ersten Begegnung in einem Pariser Nachtclub in den wilden siebziger Jahren. Der ambitionierte Victor, der den Namen Adelman erfindet und sich zu einem Juden macht, der er gar nicht ist, steigt – kaum dass das Paar geheiratet hat – schnell zum gefeierten Schriftsteller auf. Unterdessen führt Sarah scheinbar nur ein Dasein in seinem Schatten.

Wie über beiderseitige Affären, Eifersucht, einem autistischen Sorgenkind und einer neurotischen Tochter Konflikte ins Spiel kommen, schildert Bedos mit einem amüsierten Blick auf klischeereiche Rollenbilder, testosterongesteuerte Narzissten und von Perfektionsdrang und Selbstzweifeln geplagte Mütter. Bisweilen gerät Monsieur & Madame Adelman an den Rand der Klamotte, wenn Sarah und Victor im Kreißsaal just während der Geburt des ersten Kindes einander attackieren oder Victor seine Frau an den Haaren quer durch ein Restaurant schleift.

Trotz solch hanebüchener Ausraster kehrt Sarah nach einem Intermezzo mit einem anderen zu Victor zurück, nimmt mithin keine Entwicklung wie die unübertroffene Glenn Close in dem stärkeren, für das Frühjahr erwarteten Film The Wife. Auch sie hat heimlich die Bücher ihres erfolgreichen Mannes geschrieben, verliert aber die Geduld, als der frisch gekürte Nobelpreisträger sich bei seiner Rede geradezu beschämend mit fremden Federn schmückt.

 



Kein Kommentar vorhanden.



Die Poesie der Liebe / Monsieur & Madame Adelman


Komödie/Drama, Frankreich 2017
Regie Nicolas Bedos
Drehbuch Nicolas Bedos, Doria Tillier
Kamera Nicolas Bolduc
Schnitt Anny Danchè, Marie Silvi
Musik Philippe Kelly, Nicolas Bedos
Production Design Stéphane Rozenbaum
Kostüm Karen Muller Serreau
Mit Nicolas Bedos, Doria Tillier, Denis Podalydès, Antoine Gouy, Christiane Millet, Pierre Arditi, Zabou Breitman, Julien Boisselier, Lola Bessis
Verleih Polyfilm, 115 Minuten
Kinostart 21. Dezember

 



Tags


Social Bookmarks