Die große Leinwand

Der zweifache Oscar-Preisträger Robert Stromberg inszenierte „Maleficent – Die Dunkle Fee“, der kürzlich auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Ein Gespräch.

 

Maleficent – Die Dunkle Fee ist die bisher noch nie erzählte Geschichte von Maleficent, der bösen Fee aus dem Disney-Klassiker Dornröschen. Es ist die Geschichte des Verrats, der ihr reines Herz einst zu Stein verwandelt hat. Auf Rache sinnend, versucht sie mit allen Mitteln ihr Reich aus Moor und Wald zu beschützen und belegt schließlich Aurora, das neugeborene Kind des Königs, mit dem grausamen Fluch, den wir alle kennen: Noch vor ihrem 16. Geburtstag wird Aurora sich an einer Spindel stechen und in einen todesähnlichen Schlaf fallen. Als die Königstochter allerdings über die Jahre heranwächst, erkennt Maleficent nach und nach, dass Aurora selbst der Frieden bringende Schlüssel zu allem ist – auch zu ihrem eigenen Glück. Neben Angelina Jolie glänzen in weiteren Rollen Sharlto Copley, Elle Fanning, Sam Riley, Imelda Staunton, Juno Temple und Lesley Manville. Als Produzent fungierte Joe Roth, als Drehbuchautorin Linda Woolverton (Der König der Löwen, Die Schöne und das Biest), als Executive Producers zeichneten Angelina Jolie, Don Hahn, Palak Patel, Matt Smith und Sarah Bradshaw verantwortlich.

Für sein Szenenbild in Avatar (2009) und Alice in Wonderland, (2010) wurde Robert Stromberg mit zwei Oscars ausgezeichnet, Maleficent – Die Dunkle Fee war seine erste Regiearbeit. „Als Künstler sucht man immer nach der größtmöglichen Leinwand – und diese war gigantisch“, sagt Stromberg. „Ein Projekt zu stemmen, das größer war als alles, was ich bislang gemacht hatte – das machte gerade den Reiz aus.“ Stromberg freute sich auf die Herausforderung, selbst Regie zu führen und den Look des Films zu kreieren. „Zum Glück kann ich auf einige große Projekte zurückblicken. Insofern war ich nicht nervös, sondern im positiven Sinne aufgeregt – auch was die Arbeit mit Angelina Jolie angeht. Ich hatte unglaubliches Glück, dass ich ein Projekt dieser Größenordnung übernehmen durfte. Also nutzte ich meine Chance und machte den bestmöglichen Film, der dem Publikum hoffentlich eine neue Welt erschließt.“

Laut Stromberg gibt Maleficent – Die Dunkle Fee den Zuschauern die Möglichkeit, „Maleficents Vorgeschichte zu erfahren – woher sie stammt und was sie so weit getrieben hat. Hier sehen wir Maleficent als Kind und was sie dazu gebracht hat, auf die dunkle Seite zu wechseln.“ Stromberg und Drehbuchautorin Linda Woolverton waren sich einig, dass die Handlung mit Maleficents Kindheit beginnen sollte. „Gleich zu Anfang erleben wir aus nächster Nähe mit, wie sie Stefan trifft“, erzählt Stromberg. „Stefan und die junge Maleficent werden enge Freunde. Im Verlauf des Films beobachten wir dann die tragische Entwicklung: Die beiden überwerfen sich und werden mit der Zeit Feinde.“ Angelina Jolie war die Idealbesetzung als Maleficent, schwärmt Stromberg: „Angelina ist perfekt für die Rolle – für mich der genialste Casting-Coup seit langem. Maleficent – Die Dunkle Fee und ihre wahre Geschichte machen dem Publikum Spaß, da bin ich sicher. Es gibt düstere, aber auch heitere Elemente und Humor. Da ist für jeden etwas dabei.“ „Angelina arbeitet hart und ist sehr engagiert“, lobt der Regisseur. „Sie hat sich diese Rolle völlig zu eigen gemacht. Es ist großartig, die Figur mit jemandem gemeinsam auszuarbeiten, der so viel Leidenschaft mitbringt. Angelina hat sich wirklich in Maleficent verwandelt.“

Jeder, der den Disney-Klassiker Dornröschen kennt, hat die Trick-Maleficent noch vor Augen. Deshalb war es Stromberg wie auch Angelina Jolie wichtig, ihr Aussehen in Maleficent perfekt hinzubekommen. „Angelina hatte nicht nur zu Maleficents Charakter, sondern auch zu ihrem Look genaue Vorstellungen“, so der Regisseur. „So haben wir zusammen eine Figur geschaffen, die nicht einfach nur ein Abklatsch ist, aber trotzdem großen Wiedererkennungswert hat. Wir begleiten Maleficent durch verschiedene Lebensphasen, in denen sie natürlich auch unterschiedlich aussieht – bis wir sie schließlich als die Kult-Maleficent sehen, die wir alle kennen.“

Maleficents Gegenspieler ist Stefan (Sharlto Copley). „Wir lernen den Menschenjungen Stefan gleich zu Beginn des Films kennen“, erläutert Stromberg. „Er schleicht sich heimlich ins Moor, wo Maleficent lebt. Die beiden werden gute Freunde. Doch Stefan ist von Machtgier getrieben, während Maleficent ihre Heimat im Moor niemals verlassen würde. Sie ist für den Schutz aller Wesen verantwortlich, die hier leben. Stefan dagegen macht sich auf den Weg zum Schloss des Königs und startet seinen privaten Feldzug für Einfluss, Wohlstand und Geld.“ „Das führt zu einer Tragödie, denn Stefan trifft eine Entscheidung, die Unglück und Rachsucht nach sich zieht“, fährt Stromberg fort. „Auf der anderen Seite verfolgen wir Maleficents Weg, was sie unternimmt und woran sie glaubt. Am Anfang haben beide dieselben Ziele, aber dann gehen sie völlig verschiedene Wege. Das ist sehr spannend.“

Maleficent ist eine klar umrissene Figur, Stefan erforderte mehr Fantasie. So erarbeitete Stromberg jeden Tag aufs Neue mit Darsteller Sharlto Copley, „was diese Figur ausmacht“. „Sharlto ist mit Leib und Seele Schauspieler, er geht völlig in seiner Rolle auf – ähnlich wie Angelina. Es war ein Gewinn, ihn dabei zu haben.“ Aurora (Elle Fanning) ist Stefans Tochter, die von Maleficent mit dem berühmten Fluch belegt wird: Noch vor ihrem 16. Geburtstag wird sie in einen todesähnlichen Schlaf fallen. „Aurora ist wundervoll – sie ist das Herz des Films“, sagt Stromberg. „Alles dreht sich um sie und ihr Verhältnis zu Maleficent, das sich in unserem Film überraschend entwickelt. Aurora ist zwar Stefans Tochter, aber durch Maleficents Fluch werden sie getrennt. Wenn das keine Ironie des Schicksals ist. Aurora ist also der Dreh- und Angelpunkt unserer Geschichte.“

Von seiner jungen Hauptdarstellerin ist der Regisseur hingerissen: „Elle ist phantastisch, ich habe größten Respekt vor ihr. Sie ist nicht nur bildhübsch, sondern auch eine sensationelle Schauspielerin. Elle hat eine große Zukunft vor sich, und es ist eine Freude, mit ihr zu arbeiten. Sie zaubert jedem Mitarbeiter am Set ein Lächeln aufs Gesicht.“ Maleficent hat im Film einen treuen Begleiter, den Raben Diaval. Je nach Bedarf kann sie ihn in ein anderes Tier oder auch in einen Mann verwandeln. Sam Riley verkörpert Diaval in seiner menschlichen Gestalt. „Diaval ist Maleficents Gewissen“, erklärt Stromberg. „Er bringt sie auf den richtigen Weg zurück. Diaval kommt zu Maleficent, als sie sich auf dem Tiefpunkt befindet. Neben Aurora ist er der andere Protagonist, der Maleficent aus ihrem Tief heraus hilft.“

Über den Stil des Films und seine magischen Designs meint der Regisseur: „Ich wollte nicht nur Fantasy-Elemente und eine surreale Anmutung, Maleficent sollte eher realistisch wirken. Bei einigen meiner früheren Arbeiten standen die surrealen Elemente im Vordergrund und prägten entsprechend den Film. Hier gehen wir es umgekehrt an: Wir verankern die Geschichte in der Realität und fügen erst dann märchenhafte Elemente hinzu. Dadurch entsteht ein völlig neuer Look.“ Dazu stellte Stromberg umfangreiche Recherchen an. „Ich nahm mir vor allem klassische Gemälde von Künstlern des 17. und 18. Jahrhunderts zum Vorbild, auch die Vertreter der Hudson River School und deren idealistisch überhöhte Landschaften“, erläutert Stromberg. „Ich wollte genau diesen klassischen, realistischen Look, um ihn dann zu verfremden. Das Ergebnis ist ziemlich edel und schön anzusehen, aber mit einem Hauch Fantasy-Atmosphäre.“

Darüber hinaus war es dem Regisseur wichtig, genug Vertrautes aus Dornröschen von 1959 beizubehalten, damit die Fans des Originals nicht enttäuscht werden. „Das Publikum soll den Klassiker in einem ganz neuen Licht sehen und die Hintergründe der Geschichte erfahren, die sie aus dem Zeichentrickfilm kennen. Man lernt Maleficent von einer neuen Seite kennen, aber gleichzeitig haben wir genug Elemente aus Dornröschen eingebaut, die das Publikum sofort wiedererkennen kann.“ Über seine erste Erfahrung als Regisseur sagt Stromberg rückblickend: „Mir persönlich hat die Arbeit mit den Schauspielern großen Spaß gemacht, ich habe dabei neue Ausdrucksformen entdeckt. Alles hängt zusammen, die Schauspielleistungen sind Teil des Gesamtkunstwerks. Hier konnte ich zum ersten Mal mit der gesamten Farbpalette arbeiten, und das macht mich sehr glücklich.“



Kein Kommentar vorhanden.

Text + Interview ~ Pamina Kowalski

Maleficent – Die Dunkle Fee  / Maleficent
Regie
Robert Stromberg
Mit
Angelina Jolie, Sharlto Copley, Elle Fanning, Sam Riley, Imelda Staunton, Juno Temple, Lesley Manville
Filmlänge
93 Minuten (DVD), 97 Minuten (Blu-ray)
DVD Bildformat
16:9
Ton
Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: Dolby Digital 5.1
Untertitel
Deutsch, Türkisch, Englisch für Hörgeschädigte
Blu-ray
Bildformat 16:9
Ton
Deutsch: DTS-HD 5.1, Englisch: DTS-HD 7.1, Türkisch: Dolby Digital 5.1, Spanisch: DTS 5.1
Untertitel
Deutsch, Türkisch, Spanisch, Portugiesisch, Englisch für Hörgeschädigte
Bonus
Vom Märchen zum Kinofilm • Eine epische Schlacht • Maleficents Stil • Hinter den Kulissen von Maleficent • Aurora: Wie sie zur Schönheit wird • Zusätzliche Szenen
Walt Disney Studios Home Entertainment

Erschienen am 2. Oktober als DVD und Blu-ray 2D und als Blu-ray 3D+2D.

Maleficient



Tags


Social Bookmarks