Einer von uns

Bedrückendes Porträt der Monotonie und ihrer Folgen

 

Julian ist 14 und lebt in einer österreichischen Vorstadt. Es gibt nicht viel zu tun, also hängt die Jugend am Parkplatz des großen Supermarktes herum, stets unter den abschätzigen Augen der Polizisten und des herrischen Marktleiters. Man vertreibt sich die Zeit mit Musik, ersten Erfahrungen in Sachen Liebe und Graffitis, bis irgendwann der stadtbekannte Kleinkriminelle Marko wieder auftaucht, frisch entlassen aus dem Gefängnis. Julian interessiert dieser schweigsame Junge, der es geschafft hat, gegen das normale Leben zu rebellieren. Er schließt sich ihm und dem vermeintlichen Anführer Victor, der die jungen Männer mit Marihuana und Alkohol versorgt und zu rasanten Spritztouren mitnimmt, an. Julian will Teil einer Gegenbewegung zum monotonen Leben sein, das er bisher kennt. Ein Wunsch, der in einer Tragödie endet.

2009 wurde der 14-jährige Florian P. bei einem nächtlichen Einbruch in einen Supermarkt bei Krems von Polizisten erschossen. Dieses Ereignis nimmt Stephan Richter zum Vorbild und zeichnet mit ruhigen Bildern einen dichten, intensiven Film über die Betonwüste der Vorstadt. Er zeigt die Trostlosigkeit und Eintönigkeit, eine Welt, in der die Tage und Jahre an einem vorbeiziehen, ohne dass etwas passiert und ohne Aussicht auf Entkommen. Das Einzige, das Freiheit verheißt, ist der Konsum. In sterilen Gängen stehen perfekt geordnete, bunte Artikel, die den Kontrast zum grauen Leben vor der gläsernen Schiebetür darstellen. Doch hinter den Regalen stecken nur leere Versprechungen. Im Vorfeld gab es bereits Proteste gegen die Thematik des Films, doch den Kritikern sei geraten, sich den Film erst einmal anzusehen, denn bei Richter gibt es weder Schuldige noch Unschuldige. Jede seiner Figuren ist ein Produkt dieser beklemmenden Umgebung. Die Älteren haben den Kampf schon aufgegeben und existieren mehr, als dass sie leben. Selbst die, die sich als Macher inszenieren, haben mit Alkoholproblemen zu kämpfen oder damit, dass ihre Kinder von ihnen ferngehalten werden oder sich ganz von selbst entfernen. Die Jungen sehen ihre einzige Möglichkeit zum Aufschrei in der Kriminalität und dennoch sieht man, dass sie auch auf dem besten Weg in die Resignation sind. Ein Kreislauf, der sich immer weiter fortsetzt und nur kurz unterbrochen wird, wenn etwas Tragisches passiert und die Fassade fällt. Es sind vor allem das Spiel der talentierten jungen Darsteller und die unaufgeregte, analytische Erzählweise, die diesen Film so unter die Haut gehen lassen.

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Drama, Österreich 2015


Regie, Drehbuch Stephan Richter
Kamera
Enzo Brandner
Schnitt
Andreas Wodraschke, Julia Drack
Musik
Maja Osojnik, Matija Schellander
Ausstattung
Julia Oberndorfinger, Christine Dosch
Kostüm
Monika Buttinger
Mit
Jack Hofer, Simon Morzé, Christoph Schärf,

Andreas Lust, Dominic Marcus Singer,
Markus Schleinzer, Rainer Wöss
Verleih
Filmladen, 86 Minuten

www.einervonuns.at



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