Herz aus Stahl / Fury

Gewaltiges, aber zu eindimensional geratenes Kriegsdrama mit Brad Pitt als Zugpferd

 

„Ideals Are peaceful, history is violent“ belehrt der kampferprobte Don „Wardaddy“ Collier (Brad Pitt) den Neuzugang in seiner Mannschaft. Und als ginge es darum, diese Feststellung ein für alle Mal mit dem Vorschlaghammer zu belegen, lässt es Regisseur David Auer in den darauf folgenden zwei Stunden ordentlich krachen. Wir schreiben das Jahr 1945. Die Alliierten setzen im Zweiten Weltkrieg zur großen Offensive gegen Nazi-Deutschland an, und Collier und sein Trupp schieben ihren liebevoll „Furt“  getauften Sherman-Panzer über Stadt und Land, um die Wehrmacht endgültig in die Knie zu zwingen. Der Krieg, man hat es geahnt, ist ein grausames Geschäft, und wenn uns einer erlösen kann vor dem Bösen, dann die Amerikaner.Darum, um wenig mehr, geht es in Fury , dem neusten Zugang in der bereits überfüllten, explosionsgeschüttelten Kriegsfilm-Schublade.

Dabei kennt Ayer sich aus mit Männern in Uniform, auch wenn sein Interesse, wie zuletzt in End of Watch (2012), bisher vor allem abgebrühten Streifen-Cops in L.A. galt. Aber auch das Thema Zweiter Weltkrieg ist ihm nicht neu, war er doch am Drehbuch zu dem recht unsäglich gescheiterten  U-571 (2000) beteiligt. Was seine Filme trotz narrativer Mängel stets sehenswert macht, ist sein Gespür für die Komplexität von Männerfreundschaften in Extremsituationen und die testosterongesteuerten Rangeleien im eigenen Lager, die sich da oftmals ergeben. In Fury  tut er sich allerdings schwerer als sonst, sein Gleichgewicht zu finden, zumal es hier nicht um ein Kräftemessen zwischen zwei Systemen, zwischen Oben und Unter geht, sondern um den totalen Krieg. Woran es der Fury - Besetzung aber vor allem mangelt, ist Charakterstärke jenseits der einschlägigen Klischeetypen, an denen sich der Film hartnäckig abarbeitet, namentlich: der Stoiker (Pitt), der Gläubige (Shia LaBeouf), der Kumpeltyp (Michael Peña), der Raufbold (Jon Ferntal) und schließlich der Neuling (Logan Lerman), dem erst einmal gezeigt werden muss, wo der Hase lang läuft. Im Grunde kann nur verlieren, wer versucht, mit dieser Mannschaft und einem sich geradlinig an mehr oder weniger spektakulär inszenierten Kampfhandlungen entlanghangelnden Drehbuch  in die Schlacht zu ziehen.

Gefilmt ist das alles, wie gesagt, ziemlich gewaltig, den Kanonenschlägen entsprechend imposant geschnitten und orchestriert. Doch je länger Fury dauert, desto lauter und flacher wird die Geschichte, die sich allzu oft mit stumpfen Feuergefechten und Heroisierung benügt, bis sie am Ende in einem genregerechten Schlachtgewitter zu großem Geigenstreichen im Schlamm erstickt.



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Kriegsfilm/Drama, USA/Großbritannien 2014


Regie, Drehbuch David Ayer
Kamera Roman Vasyanov
Schnitt Dody Dorn, Jay Cassidy
Musik Steven Price
Production Design Andrew Menzies
Kostüm Anna B. Sheppard, Owen Thornton
Mit Brad Pitt, Logan Lerman, Shia LaBeouf,
Jon Bernthal, Michael Peña, Scott Eastwood,
Xavier Samuel, Kevin Vance

Verleih Sony Pictures, 134 Minuten

www.herzausstahl-film.de



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