Master Of The Universe

Maßgebender Beitrag zur Erhellung der Geheimwissenschaft „Finanzmarkt“

 

Die Folgen der Finanzkrise zahlen nicht die Bonus-beschenkten Manager, die eine „Bad Bank“ produziert haben, nicht die Verkäufer riskanter Wechselkursspekulationspapiere und nicht die kurzsichtigen Bürgermeister verschuldeter Gemeinden, die darauf gesetzt haben wie beim Online-Roulette. Am Ende zahlt jeder einzelne Steuerpflichtige.
Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, braucht man nicht unbedingt ins Kino gehen. Wer allerdings diese und noch weitaus frappierendere Erkenntnise aus dem Mund eines eloquenten Insiders vernehmen will, sollte Master of the Universe sehen. Rainer Voss hat die Entwicklung und Pervertierung einer von allen Kategorien realwirtschaftlicher Vernunft enthobenen Finanzbranche von der Pike auf bis in hohe Führungspositionen erlebt. Voss war Investmentbanker in Frankfurt und anderswo. „Das ist ein geschlossenes System, in dem man sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernt“, sagt dieser Mann über seine Branche.
Marc Bauder, selbst studierter Betriebswirt, hat vor zehn Jahren Abgänger privater Elitehochschulen porträtiert (Grow or Go) und u.a. in seinem mehrfach prämierten Wirtschafts-Thriller Das System ein fundiertes Interesse an der Eigendynamik und den Zwängen abgehobener Kapitalkreisläufe bewiesen. Dass Bauder seinen Protagonisten überhaupt zu Master of the Universe überreden konnte, ist schon eine Sensation – denn in einer Branche, die Angst vor jeder Außendarstellung außer ihrer selbst imaginierten zum Programm erhebt, bewegt sich für gewöhnlich niemand aus der Deckung. Bauder begleitet Rainer Voss in das geisterhafte Spiegelglas-Ambiente einer aufgelassenen Bank inmitten der typischen Frankfurter Wolkenkratzer, drei Häuser neben der Deutschen Bank, und lässt ihn erzählen. Und weil Voss ausgesprochen anschaulich erzählen kann, weil er es versteht, hochtheoretische Zusammenhänge (die nicht einmal führende Manager seiner ehemaligen Arbeitgeber selbst geistig durchdrungen hätten) auf nachvollziehbare Beispiele herunterzubrechen, ist das ein überaus wertvoller Film.
Was Margin Call im Bereich des Fiktionalen geleistet hat, leistet Master of the Universe nun im Dokumentarischen. Man braucht nur eine Ahnung vom Funktionieren der Finanzwirtschaft, um klüger aus diesem Film herauszugehen als man hineingegangen ist. Es ist ein intelligent in Szene gesetzter, hochspannender Lehrfilm in Cinemascope: für Politiker aller Kammern von EU bis Grammatneusiedl, für Wirtschaftsstudenten, für jeden an der Geheimwissenschaft des Finanzwesens Interessierten und vor allem für Leute, die immer noch glauben, die Finanzkrise sei das Produkt einiger fehlgeleiteter Gierhälse. Der Fehler liegt im System.



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Dokumentarfilm, Deutschland/Österreich 2013


Regie Marc Bauder
Bildgestaltung
Börres Weiffenbach
Montage
Hansjörg Weißbrich, Rune Schweitzer
Musik
Bernhard Fleischmann

Verleih Polyfilm, 88 Minuten

www.master-of-the-universe-film.de



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