Alien:Covenant

Grauen ad infinitum

 

Ganz planmäßig verläuft die Reise des Raumschiffs „Covenant“, das sich auf einem mehrjährigen Flug zu einem fernen, unbewohnten Planeten befindet, der besiedelt werden soll. Die Besatzung und die zweitausend zukünftigen Kolonisten befinden sich im bewährten Kältetiefschlaf, ein Android namens Walter (Michael Fassbender) genügt, um alle Systeme zu überwachen. Doch als ein Weltraumsturm völlig unvorhergesehen die „Covenant“ trifft, ist es mit der Routine schlagartig vorbei, die Besatzung wird aus ihrem Tiefschlaf gerissen, um die notwendigen Notfallsmaßnahmen durchzuführen. Als alles wieder einigermaßen unter Kontrolle ist, sorgt ein aufgefangener Funkspruch für Aufregung. Der wurde von einem nahen Planeten gesendet und scheint menschlichen Ursprungs zu sein – zu hören ist nämlich John Denvers Song „Take Me Home, Country Roads“. Nachdem sich herausstellt, dass der Planet alle Voraussetzungen für eine Besiedelung erfüllt, entscheidet sich Kapitän Oram (Billy Crudup) dafür, alle Pläne umzustoßen und besagten Planeten anzusteuern. Einzig die Erste Offizierin Daniels (Katherine Waterston) bleibt skeptisch und warnt, das Szenario würde eher nach einer Falle aussehen – denn wie wahrscheinlich ist es, dass irgendwo in den Tiefen des Alls John-Denver-Songs herumschwirren? Doch weil niemand noch sieben Jahre Flugzeit zum ursprünglichen Ziel in Kauf nehmen mag, macht sich die „Covenant“ auf zu dem neu ins Auge gefassten Planeten.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden die Reminiszenzen an Ridley Scotts Spannungsklassiker Alien aus dem Jahr 1979 deutlich. Nachdem sich Meister Scott bei Prometheus, einer Art Prequel zu Alien, in nicht immer ganz nachvollziehbaren philosophischen Unterfütterungen verfangen hatte, bringt er die Saga um das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt nun wieder auf Linie – und zwar höchst fulminant. Alien:Covenant erweist dramaturgisch-strukturell seine Referenz an das Original von 1979, doch entlang solcher Referenzpunkte entwickelt Ridley Scott einen eigenständigen Plot, der erfrischend geradlinig die bewährten Schreckensszenarien um die feindselige Alien-Spezies kongenial einzusetzen versteht – und nebenbei die Genese dieser unleidlichen Lebensform mitliefert. Angesiedelt etwa zehn Jahre nach Prometheus, knüpft der Plot im Verlauf des Geschehens auch daran an, ohne jedoch zuviel an narrativer Autonomie aufzugeben. Nach erfolgter Landung auf dem Planeten, der sich nur auf den ersten Blick als recht idyllisch erweist, sieht sich die Crew der „Covenant“ – gleich der unglückseligen Besatzung der „Nostromo“ aus Alien – bald ungeahnten Bedrohungen gegenüber, das Unheil nimmt seinen Lauf.

Alien:Covenant erweist sich dabei als Hochspannungsthriller klassischen Zuschnitts, der zwischen bewährten Spannungsbögen auch jene Schockmomente bereithält – Stichwort: Alien verlässt seinen Wirtskörper –, denen die Fangemeinde mit genussvollem Schaudern entgegenfiebert. Selbst ohne Vorwissen um Alien und aller nachfolgenden Filme würde Ridley Scotts neue Regiearbeit prächtig funktionieren, für alle Kenner der Saga bietet Alien:Covenant zusätzlich jede Menge Reminiszenzen. Von eingestreuten Details wie dem Bordcomputer, den Android Walter „Mutter“ nennt, bis hin zur Rolle von Daniels, die auch dank der souveränen Leistung von Katherine Waterston stark an die von Sigouney Weaver gespielte Ellen Ripley erinnert, die bekanntermaßen im Verlauf der Alien-Reihe zur zentralen Figur wird.

Von Fortsetzungen  hat man angesichts des sonstigen Sequel-Irrsinns, der in Hollywood vorherrscht, eigentlich genug, doch am Ende von Alien:Covenant kann sich schon der Gedanke einschleichen: Da geht sogar noch etwas!

 

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Science Fiction/Thriller, USA 2017


Regie Ridley Scott
Drehbuch John Logan, Dante Harper
Kamera Dariusz Wolski
Schnitt Pietro Scalia
Musik Jed Kurzel
Production Design Chris Seagers
Kostüm Janty Yates
Mit Katherine Waterston, Michael Fassbender, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Callie Hernandez, Carmen Ejogo, Nathaniel Dean
Verleih 20th Century Fox, 122 Minuten
Kinostart 18. Mai

 

 



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