Who framed Bob Zemeckis?

In seinem Œuvre meistert er die unterschiedlichsten Genres, einige seiner Filme sind längst feste Größen im popkulturellen Universum, hohe Einspielergebnisse sind bei seinen Arbeiten der Regelfall, und den Oscar hat er ebenfalls schon längst gewonnen. Trotzdem wird Robert Zemeckis weiterhin nicht der Status als prägende Figur des Weltkinos zuerkannt.
Eine Spurensuche anlässlich des Starts seines neuen Films „Allied“.

 

Nur ein wenig zu spät – nämlich am 14. Mai 1952 – ist Robert Zemeckis geboren, um sich noch in New Hollywoods Riege der ersten Stunde einreihen zu können. Abgesehen davon weist sein Werdegang deutliche Parallelen zu denen der wichtigsten Proponenten jener Bewegung auf, die ab den sechziger Jahren für fundamentale Umbrüche im US-amerikanischen Kino verantwortlich zeichneten. Schon in früher Jugend begann der in Chicago aufgewachsene Zemeckis eigene Filme mit seiner 8-mm Kamera zu drehen. Seine wachsende Filmbegeisterung festigte seinen Entschluss, ein Filmstudium zu beginnen. Er wurde in diesem Fachbereich an der renommierten University of Southern California aufgenommen, der Alma Mater zahlreicher Filmschaffender, die New Hollywood zugerechnet wurden. Er schloss sein Studium 1973 ab, einer seiner in diesem Rahmen fertiggestellten Filme erregte das Aufsehen von keinem Geringeren als Steven Spielberg, der Zemeckis von da an ein wenig unter seine Fittiche nahm und gleich bei seinen beiden ersten Spielfilmen als Executive Producer fungierte. 1978 konnte Zemeckis mit der Komödie I Wanna Hold Your Hand, der fiktional jenen Tag nachzeichnet, an dem die Beatles in der Ed-Sullivan-Show auftraten, sein Langfilmdebüt abliefern. Es folgte die schwarzhumorige Satire Used Cars (1980), in der Kurt Russell einen windigen Gebrauchtwagenhändler kongenial schmierig zu spielen versteht. Für beide Filme konnte Zemeckis Anerkennung verbuchen – insbesondere Used Cars entwickelte sich zum veritablen Geheimtipp –, der große Erfolg beim Publikum blieb vorerst aus. Zudem entwickelte sich ein vermeintlicher Jackpot beinahe zum Karrierekiller. Gemeinsam mit Bob Gale, einem Freund aus Studientagen, mit dem er auch etliche Drehbücher für seine eigenen Regiearbeiten verfasste, bekam Zemeckis die Chance, das Skript für Steven Spielbergs 1941 zu schreiben. Doch die Satire über das hysteroide Verhalten der Amerikaner nach Pearl Harbor war bekanntermaßen einer der seltenen finanziellen Misserfolge Spielbergs, der Kultstatus von 1941 sollte sich erst im Lauf der Zeit etablieren. Die unmittelbaren Auswirkungen für Zemeckis waren jedoch ebenso unerfreulich wie den Gesetzen Hollywoods folgend: Zu Beginn der achtziger Jahre war es für ihn zunehmend schwierig, Projekte zu verwirklichen.

Für den Wendepunkt war schließlich Michael Douglas verantwortlich, der als Produzent und Hauptdarsteller von Romancing the Stone (1984) Zemeckis für die Regie verpflichtete. Der Mix aus Abenteuer und Action samt ironischer Unterfütterung geriet zum Überraschungserfolg, der weltweit 86 Millionen Dollar einspielte, aber auch schon ein wenig das Karriereproblem von Robert Zemeckis veranschaulicht. Als Wiederbelebung des klassischen Abenteuer-Genres im ironisch angehauchten modernen Zuschnitt ist Romancing the Stone stilsicher in Szene gesetzt, von einem Regisseur, der Spannungsbögen aufzubauen und das Erzähltempo gekonnt zu variieren versteht. Soweit funktioniert Zemeckis’ erster großer Kassenschlager blendend, doch im Vergleich zu Spielbergs Raiders of the Lost Ark – ein zugegeben großes und nur schwer erreichbares Vorbild – fehlt es Romancing the Stone an einer ausgeprägten, persönlichen Handschrift, jenem analytisch nur schwer fassbaren gewissen Etwas, das jedoch letztendlich große von ganz guten Filmen unterscheidet.

Ein wenig mehr Alleinstellungsmerkmale weist jener Film auf, mit dem sich Robert Zemeckis in der obersten Liga Hollywoods einreihen konnte. Back to the Future (1985) war in diesem Jahr der erfolgreichste Film an den US-amerikanischen Kinokassen – weltweit spielte er etwas mehr als 380 Millionen Dollar ein und verhalf neben Zemeckis vor allem Hauptdarsteller Michael J. Fox zu Superstar-Status. Mit dem humorig aufbereiteten Zeitreise-Motiv hat sich Back to the Future samt den beiden ebenfalls von Zemeckis inszenierten Sequels im Lauf der Jahre aber auch einen festen Platz im popkulturellen Universum gesichert. Die mit dem Zeitreise-Paradoxon verbundenen Fragen werden nicht nur in Fan-Kreisen immer noch diskutiert, auch die Protagonisten der Sitcom The Big Bang Theory verbringen eine Folge damit, die hinter Back to the Future stehenden wissenschaftlichen Fragen aufzudröseln, was selbst Dr. Sheldon Cooper zeitweilig ins Schleudern bringt.

Who Framed Roger Rabbit (1988) machte eine der unbestreitbaren Qualitäten von Robert Zemeckis, seine Kunstfertigkeit, technische Innovationen erzählerisch und dramaturgisch höchst effektiv zu integrieren, deutlich. Die kongeniale Verschmelzung von Real- und Animationsfilm um den titelgebenden Hasen, einem der Stars des Zeichentrickfilms der vierziger Jahre, der Zielscheibe eines mörderischen Komplotts wird, zählt immer noch zu den originellsten Arbeiten in diesem Subgenre und erweist sich auch als höchst phantasievolle Hommage an Hollywoods Goldene Ära. Zemeckis Inszenierung entwickelt dabei ihren ganz eigenen Charme, die Selbstverständlichkeit, mit der etwa Bob Hoskins in seiner Rolle als abgehalfterter Privatdetektiv mit den animierten Charakteren agiert, ist ein Vergnügen der besonderen Art.

Den vollständigen Text können Sie in unserer Printausgabe lesen.



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Allied – vertraute Fremde / Allied


Drama, USA 2016
Regie Robert Zemeckis
Drehbuch Steven Knight

Kamera Don Burgess
Schnitt Mick Audsley, Jeremiah O’Driscoll

Musik Alan Silvestri
Production Design Gary Freeman
Kostüm
Joanna Johnston
Mit Brad Pitt, Marion Cotillard,
Jared Harris, Daniel Betts, Simon

McBurney, Marion Bailey, Lizzy Caplan
Verleih Constantin Film, 125 Minuten
Kinostart 22. Dezember



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