Sein Name ist Hase

Frech, flott und fesch: die neue Urban Art Serie „Art in the City“ auf dem Kunst- und Kultursender von Sky

 

Wer sich für Street Art und Grafitti als Kunstform interessiert, oder allgemein für alles, was sich unter den Begriff Urban Art subsumieren lässt, tut dieser Tage gut daran, ein Sky-Abo zu haben. Am 17. April startet auf dem exklusiven Kulturkanal Sky Arts eine spritzige Dokumentarserie zu eben diesem Thema, und schon die zweite Folge spielt in Wien, der Stadt der weltbekannt hohen Künste musikalischer, bildnerischer und dressurtechnischer Natur. Urban Art, wie in weiten Teilen der alteingesessenen Stadtbevölkerung auch die Filmkunst, matcht sich hier ja bloß in der „Sky Go Erste Liga“, anders als z.B. die Staatsoper oder das Burgtheater oder die Spanische Hofreitschule, die bekanntlich in der Europa League oder gar in der Champions League der Kultur mitmischen (deren fußballerisches Pendant heuer übrigens im Rahmen einer Sky Sport Night live im Wiener Volkstheater finalisieren wird).

 

Die Reihe „Art in the City“ will Urban Art jedenfalls mal beim Aufstieg in die jeweilige Bundesliga helfen: Berlin, Wien, München und Gießen (wer hätte bitte an das beschauliche Universitätsstädtchen Gießen gedacht?) stehen in Staffel eins auf dem Programm, für die zweite wurden Zagreb, der Ruhrpott, Dresden und Basel (ausgerechnet jene Stadt, wo man angeblich schon für das Bekritzeln einer Tischplatte 400 Franken zahlt) bereist. Moderator, eigentlich: Motor der Sendung ist der deutsche Musikjournalist und politisch engagierte Autor Axel Brüggemann. Das Format betrifft eine „schnelle“ Kunstform und ist auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten. Daher muss alles recht hurtig gehen, es wird behände gedreht, Zeit gerafft, geschwind geschnitten und im Künstlergespräch also lieber flinkzüngig dazwischengeredet, bevor eine Nachdenk- oder für das Publikum eine Betrachtungspause entsteht.

 

Wien, nicht nur du allein

Tagging, Bombing, Panel Pieces, Street Cred: Wer solche Begriffe bislang eher der Salafisten- oder Drogenszene zugeordnet hätte, kriegt in „Art in the City“ flugs eine andere Ahnung aufgesprüht. Der österreichischen Presse wurden die ersten zwei Folgen der Sky Arts Eigenproduktion in den Tiefen des MUMOK angeboten, passend zur Wien-Episode. Die bewegt sich nämlich nicht nur am etablierten Graffiti-Spielplatz Donaukanal, wo Brüggemann sich übrigens mit Hilfe des Street Arters Sebastian Schager selbst „verewigt“, sondern u.a. auch im Museumsquartier selbst, wo Schager wiederum den australischen Star Anthony Lister „übermalt“. Die Künstler, so sieht es das Konzept der Sendung vor, geben einander quasi die Klinke namens Brüggemann in die Hand. Schager verweist auf Frau Isa, Frau Isa zeigt ihre großformatigen, seltsamen Mädchen und verweist auf Nychos, Nychos zeigt seine Röntgenbilder und skizziert für Brüggemann einen Hasen, den dieser umstandslos zu Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder trägt. Nachdem Schröder – ein Repräsentant der Höchstkultur, der vor zwei Jahren seine Fitnesstrainerin geheiratet hat – ihm den berühmten Dürer-Hasen, mehr oder weniger das höchstkulturelle Logo der Albertina, erklärt hat, zieht Brüggemann den Nychos-Hasen hervor. Was dann passiert, ist das höchstkulturelle Spontanereignis eines perfekten Grenzfalls zwischen Höflichkeit und Falschheit.

 

Die unscharfe Trennlinie zwischen Kunst und „vandalisierendem“ Underground (oder knalliger: zwischen Galerie und Gefängnis) wird in den ersten zwei Folgen schön ausgelotet. Noch wenig beleuchtet erscheint eine andere Trennlinie, die es in der Urban Art Szene auch längst gibt, nämlich zwischen politisch motiviertem Aktionismus und, jawohl, Auftragsarbeit. Das vielleicht Mutigste, was diese Sendung sich in den ersten zwei Folgen traut, ist der nachgerade buchstäbliche Kurzschluss der Höchstkultur mit den Niederungen der Volksvergnügung. In einer Art Masterclass mit dem Hip Hopper Paul Dworacek (gewissermaßen dem inoffiziellen Street Art Chef des Wiener Praters) fertigt Brüggemann einen Schriftzug, um damit nächtens die Buchstaben der Albertina zu verhängen: „Liliputbahn“. Sehr schön, hätte man aber mindestens bis zum nächsten Tag drauf lassen und Schröders authentische Reaktion darauf filmen sollen.

 



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Ab 17. April, montags um 20:15 Uhr auf Sky Arts HD bzw. auf Abruf via Sky Go und Sky On Demand

 



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