AUF EDITHS SPUREN – TRACKING EDITH

Porträt einer Frau zwischen Fotografie, Spionage und Kommunismus

 

Peter Stephan Jungk begibt sich in seinem Film auf eine Spurensuche durch das Leben seiner Großtante Edith Tudor-Hart. Geboren 1908 in Wien als Edith Suschitzky, verließ sie früh ihre Familie, um nach London zu gehen und dort eine Ausbildung nach den Lehren Maria Montessoris zu absolvieren. Zurück in Wien, arbeitete sie als Erzieherin und machte Bekanntschaft mit Arnold Deutsch, der als Spion für die Sowjetunion arbeitete und ihre Begeisterung für den Kommunismus bestärkte. Als Deutsch, mit dem Edith auch eine Liebesbeziehung verband, seine Verlobte heiratete, schenkte er Edith zum Abschied eine Rolleiflex-Kamera. Sie entdeckte ihre Leidenschaft für die Fotografie und studierte sogar für zwei Jahre am berühmten Bauhaus. Ihre Fotos, die auf besondere Art und Weise das Leben von Arbeitern und ihren Kampf für bessere Lebensverhältnisse einfingen, brachten ihr einen Job als Fotografin bei der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS ein. Sie übernahm Botendienste für die Komintern, wurde im Mai 1933 festgenommen und für einen Monat inhaftiert. Drei Monate später heiratete sie Alexander Tudor-Hart und ging mit ihm nach England. Vertraute in ihrer neuen Heimat war ihre Freundin Litzi Friedmann, die quasi zeitgleich Kim Philby geheiratet hatte, ein Name der in der Welt der Spionage zu Weltruhm gelangen sollte als Teil der „Cambridge Five“.

Auf Ediths Spuren ist ein klassisch chronologisch erzähltes Porträt einer außergewöhnlichen Frau, deren fotografisches Werk und Arbeit als Spionin für den KGB hierzulande kaum bekannt sind. Eine Frau, die sich voller Eifer und ohne eine Entlohnung zu erwarten hinter eine von Machthabern missbrauchte Ideologie stellte. Jungk versucht die Beweggründe von Edith Tudor-Hart nachzuvollziehen, versucht über ihre Fotografie, Berichte in Archiven und die Erzählungen von Wegbegleitern, wie ihrem Bruder, dem Kameramann und Fotografen Wolfgang Suschitzky, das meist sehr beschwerliche
Leben seiner Großtante auszubreiten. Obwohl es sich um einen Dokumentarfilm handelt, hat man eher das Gefühl, einen Politthriller zu sehen. Man gewinnt Einblicke in das keineswegs spektakuläre Leben eines Geheimagenten, der, anstatt Martinis zu schlürfen und schnelle Autos zu fahren, beharrlich Beziehungen und Netzwerke aufbaut und für seinen Idealismus sein Privatleben opfert. Begleitet werden die Aufnahmen von wunderschönen Animationen, die Szenen aus dem Leben der Edith Tudor-Hart präsentieren. Ein spannender, originell gestalteter und umfassend recherchierter Film, der sein Spionage-Thema aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel betrachtet und darüber nachdenken lässt, wie viele Menschen es noch gegeben haben mag, die durch ihre Taten im Verborgenen den Lauf der Geschichte verändert haben.

 

 

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Dokumentarfilm, Österreich 2016


Regie, Drehbuch Peter Stephan Jungk
Kamera Jerzy Palacz
Schnitt Bettina Mazakarini
Musik Rupert Huber
Verleih Stadtkino Wien, 92 Minuten
Kinostart 31. März

 

 



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