Bad Times at the El Royale

Film noir im modernen Gewande

 

Drew Goddard, mit der Horrorkomödie Cabin in the Woods (2012, Ko-Drehbuch: Joss Whedon) recht berühmt geworden, hat es diesmal allein versucht. Sichtlich orientiert an den grimmigen Erzählungen eines Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez, hat er eine Geschichte ersonnen, die zwar nicht übermäßig neu ist, aber einen doch für, sagen wir, 70 Prozent der stattlichen Laufzeit von 147 Minuten genug interessiert, um dabeizubleiben. Wir befinden uns im Jahr 1969 im titelgebenden Hotel El Royale am Lake Tahoe, exakt zwischen den Bundesstaaten Kalifornien und Nevada gelegen, die Grenze verläuft mitten durch das Hotel, das schon bessere Zeiten gesehen hat (Dean Martin soll es einmal erwähnt haben, heißt es). Aktuell ist nur der Rezeptionist / Barkeeper / Koch / Kellner Miles Miller da, der an einem einzigen Nachmittag vier Gäste empfängt, die alle nicht wirklich astrein erscheinen – und, wir erfahren es bald, sie sind es auch nicht. Aber auch das Hotel birgt verblüffende Geheimnisse architektonischer Natur, die in der Folge nicht jedem bzw. jeder guttun. Besetzt sind die vier Ankömmlinge jedenfalls vortrefflich – mit Jeff Bridges als falschem Priester, Jon Hamm als falschem Staubsaugervertreter, Cynthia Erivo als echter Sängerin und Dakota „50 Shades“ Johnson als aus einer seltsamen Sekte Entkommene.

Warum diese Leute sich an diesem Tag in dem etwas heruntergekommenen Hotel zu schaffen machen, wird hier selbstverständlich nicht verraten. Nur so viel (und das ist nicht gespoilert, weil es schon ganz zu Anfang erzählt wird): Es hat unter anderem mit einem Vorkommnis zu tun, das sich vor zehn Jahren im El Royale zugetragen hat. Manches bleibt ein wenig im Dunkel, weil es der Drehbuchautor Goddard dem Regisseur Goddard nicht weitererzählt hat, etwa, warum genau Jon Hamms Figur das tut, was sie tut.

Man sieht und hört Bad Times at the El Royale an, dass hier nicht gekleckert wurde: Die Gagen für den prominenten Cast waren sicher nicht billig, und erst recht nicht die Musikrechte: In der Jukebox in der Lobby läuft fast permanent Musik, von den Isley Brothers bis Deep Purple, und auch bei der Ausstattung inklusive Vintage-Autos hat man sich sichtlich nicht lumpen lassen. Was ein bisschen fehlt, ist die „Seele“, das Zwingende, das spätestens dann verpufft, wenn das große Geheimnis gelüftet ist. Hinter der polierten Neo-Noir-Fassade ist da nicht mehr viel. Da kann auch Chris Hemsworth als durchgeknallter Sekten-Guru nicht mehr helfen, der de facto erst im letzten Drittel des Films eingreift, ja, man ist versucht zu sagen, das Spiel verzögert. Die hastig noch hingeworfenen Erklärungen für so manches Ungereimte (das betrifft vor allem Miles) kommen auch fast zu spät.

Fazit: beeindruckende Schauwerte, imposanter Cast, tolle Musik – nur an der Geschichte und an deren Länge hätte man durchaus feilen können.


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Bad Times at the El Royale


Thriller, USA 2018
Regie und Drehbuch Drew Goddard
Kamera Seamus McGarvey
Musik Michael Giacchino
Schnitt Lisa Lassek
Production Design Martin Whist
Kostüm Danny Glicker
Mit Jeff Bridges, Cynthia Eviro, Jon Hamm, Chris Hemsworth, Dakota Johnson, Cailee Spaeny, Lewis Pullman
Verleih 20th Century Fox, 147 Minuten
Kinostart 12. Oktober

ray-Premiere am 11. Oktober um 20 Uhr im UCI Millennium City

 



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