Gesichter einer Diva

Das bei Taschen erschienene Coffee Table Book über die Anfangsjahre von Barbra Streisands schillernder Karriere gibt es jetzt auch in einer preiswerten Ausgabe.

Steve Schapiro, einer der renommiertesten Fotojournalisten der USA, hat sich seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht nur mit politischen Reportagen einen Namen gemacht, sondern auch mit seinen ikonischen Schnappschüssen auf Filmsets (ein ausführliches Interview über seine Arbeit während der Dreharbeiten zu Martin Scorseses Taxi Driver finden Sie in „ray“ 12/10). Gemeinsam mit dem nicht minder renommierten Fotografen und Filmemacher Lawrence Schiller begleitete Schapiro die Sängerin, Regisseurin und Schauspielerin Barbra Streisand während ihrer ersten Jahre in Hollywood, als diese mit Filmen wie Funny Girl (1968, Oscar für die Beste weibliche Hauptrolle), The Way We Were (1973) oder A Star is Born (1976) künstlerische und kommerzielle Triumphe feierte. Die zahlreichen Fotografien des Duos, die private und berufliche Momente umfassen, wurden von Taschen bereits 2014 in teuren Ausgaben (darunter limitierte Art Editions um 1.250 Euro) herausgegeben. Nun ist das Buch um wohlfeile 50 Euro erhältlich – und wie bei diesem Verlag üblich, ist die Qualität auch im unteren Preissegment exzellent. Mit seinen 26,5 x 37,4 cm geht auch diese Version von „Barbra“ locker als Coffee Table Book durch.

Inhaltlich fasziniert an der Publikation vor allem der Umstand, dass man einen Einblick in die professionelle Selbstinszenierung der Diva bekommt. Vor dem Hintergrund des Feminismus der späten sechziger Jahre verweigerte Streisand bewusst das gängige Schönheitsideal Hollywoods und stilisierte sich selbst zur unverwechselbaren Marke (wovon bereits die Auslassung eines „a“ in ihrem Vornamen zeugt). Die begleitenden Texte von Schapiro und Schiller machen klar, wie sehr die Diva ihre scheinbare Uneitelkeit durchplante: Genaue handschriftliche Vermerke Streisands auf den Rückseiten der Fotografien gaben an, wo etwas zu retuschieren war. Als bevorzugt abzulichtende Schokoladenseite erkor sie ihre linke Gesichtshälfte aus. Doch auch mit Selbstironie wurde nicht gespart – so macht Streisand über ihre, die vielleicht berühmteste Nase der Welt, einen Scherz, der sich auch im Buch wiederfindet: Eine Frau geht mit dem Wunsch zum Friseur, so aussehen zu wollen wie die Schauspielerin. Worauf der Friseur die Haarbürste nimmt und ihr die Nase bricht.

Ein Großteil der Fotografien, der sich zwischen den Buchdeckeln findet, ist bisher unveröffentlicht und dürfte somit auch für treu ergebene Fans des Multitalents – von denen es ja weltweit zahlreiche gibt – spannend sein. Nicht zuletzt sind es die eher spontanen, dokumentarischen Aufnahmen, die für Zeitkolorit sorgen. Auf den Bildern vertreten ist natürlich nicht nur Streisand selbst, sondern auch zahlreiche ihrer Wegbegleiter, darunter Legenden wie Robert Redford, Elliott Gould, Sydney Pollack oder Omar Sharif. Somit ist das Buch auch ein Stück weit das Porträt der New-Hollywood-Jahre, in denen sich Überlebensgröße mit einer Dosis Realismus paarte. In der Hauptsache ist es jedoch die visuell spannend erzählte Geschichte einer Frau, deren Vita sich in Funny Girl (bereits vor der Filmversion feierte Streisand mit der Titelrolle Erfolge am Broadway) widerzuspiegeln scheint: Ein jüdisches Mädchen aus New York wird mit Talent und eisernem Willen zum Superstar.



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Steve Schapiro, Lawrence Schiller: Barbra
Hardcover, 26,5 x 37,4 cm
Taschen Verlag, Köln. 336 Seiten, € 49,99



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