Das Boot

Die aufwändige achtteilige Serie unter der Regie von Andreas Prochaska startet auf Sky.

 

Die Idee ist ebenso einfach wie bestrickend überzeugend: Man nehme einen Film, der bei seinem Erscheinen (1981) für großes Aufsehen sorgte und inzwischen – so sagt man – Kultcharakter entwickelt hat und mache daraus eine enorm aufwändig produzierte, mit 26,5 Millionen Euro dotierte, erstklassig besetzte und von einem Spitzenregisseur inszenierte Serie. Es ist, nach dem höchst erfolgreichen Babylon Berlin, die zweite deutschsprachige Eigenproduktion von Sky (in Ko-Produktion mit Bavaria Fiction und Sonar Entertainment), und wenn man hört, dass sie bereits in mehr als hundert Territorien verkauft wurde, dann hat sich der Aufwand wohl jetzt schon gelohnt. Auch die Serie beruht – wie der Originalfilm – auf Lothar G. Buchheims Bestseller „Das Boot“ (und auf „Die Festung“), man hat sich aber klarerweise einige erzählerische Freiheiten genommen, um auf eine Serien-Gesamtlänge von rund acht Stunden zu kommen.

Wer die Karriere des österreichischen Regisseurs Andreas Prochaska – von seinen Anfängen mit dem Kinderfilm Die drei Posträuber über seine Genrearbeiten für das Kino (zuletzt Das finstere Tal) bis hin zu seinen mehr als gediegenen Fernsehfilmen und Serien-Episoden – verfolgt hat, der weiß: Da ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ein Mann, der ein solch gewaltiges Unterfangen (nicht weniger als 105 Drehtage stehen zu Buche) stemmen kann, ohne in Sachen Qualität Abstriche zu machen. Und die ersten beiden Episoden von Das Boot, die der Presse gezeigt wurden, bestätigen diesen Eindruck. Das fängt schon bei den Credits an, die über einer dramatischen U-Boot-Fahrt liegen, und setzt sich unmittelbar fort. Die Musik von Matthias Weber ist angelehnt an den legendären Score von Klaus Doldinger, ohne diesen bloß zu kopieren.

Die gebürtige Elsässerin Simone Strasser (Vicky Krieps, die durch Paul Thomas Andersons Phantom Thread zweifellos Star-Power erlangt hat) kommt nach La Rochelle, um dort ihren Dienst als Übersetzerin bei der deutschen Marine anzutreten; ihr Bruder Frank gehört als Oberfunkmaat zur Besatzung des neuen U-Boots U-612, das demnächst in feindliche Gewässer auslaufen wird. Dass Frank militärische Geheimnisse verrät und eigentlich desertieren wollte (aber keine Gelegenheit mehr dazu hat), ist kein Spoiler, sondern wird schnell klar, und dass er sich und seine Schwester in höchste Gefahr bringt, auch. Darüber lässt das Drehbuch von Tony Saint, Johannes W. Betz und anderen keinen Zweifel aufkommen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass sich Hagen Forster, der Gestapo-Chef von La Rochelle (betörend fies:Game of Thrones-Star Tom Wlaschiha), beruflich und privat für Simone zu interessieren beginnt.

Mit dieser Geschichte „an Land“ (und mit mehreren starken Frauenfiguren) hat man geschickt eine zweite dramatische Ebene eingezogen, die sich von der potenziell dann doch etwas klischeehaften Männer-auf-engstem-Raum-Handlung samt Reibereien und Rüpeleien im U-Boot abhebt. Denn Konflikte erscheinen dabei unvermeidlich. Explosiv erscheint vor allem die spürbare Rivalität zwischen dem neuen Kapitänleutnant Klaus Hoffmann (Rick Okon), der im Schatten seines dominanten Vaters, eines hochdekorierten Marineoffiziers, steht und, wie man bald merkt, von der Sinnhaftigkeit des Krieges nicht so recht überzeugt ist, und dem Ersten Wachoffizier Karl Tennstedt (August Wittgenstein), der es nicht so leicht verwindet, einem jüngeren Offizier unterstellt zu sein. Die zweite Episode – das Boot befindet sich bereits auf Feindfahrt – endet jedenfalls mit einem wahren Cliffhanger, der viel Spannung für den weiteren Verlauf der Serie verspricht.

 



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Das Boot


Dramaserie, acht Episoden, Deutschland 2018

Regie Andreas Prochaska 
Drehbuch Johannes W. Betz, Tony Saint, Simon Allen, Laura Grace, Benedikt Roeskau nach den Romanen „Das Boot“ und „Die Festung“ von Lothar G. Buchheim 
Kamera David Luther 
Schnitt Karin Hartusch, Ueli Christen 
Musik Matthias Weber 
Production Design Nick Palmer 
Kostüm Chattoune
Mit Vicky Krieps, Rick Okon, August Wittgenstein, Tom Wlaschiha, Lizzy Caplan, Rainer Bock, Leonard Scheicher, Robert Stadlober, Franz Dinda, Vincent Kartheiser
Gesamtlänge ca. 8 Stunden

Ab 23. November alle acht Episoden verfügbar auf Sky Ticket, Sky Go und auf Abruf.

Parallel dazu immer wöchentlich freitags in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr auf Sky 1 HD.

www.sky.at/serien/das-boot

 



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