Deadpool 2

Größer ist nicht immer besser: Eine Erkenntnis, die man beim Deadpool-Sequel beherzigt hat.

 

Der phänomenale (Überraschungs-)Erfolg des ersten Teils aus dem Jahr 2016 hätte nach Hollywood-Logik eigentlich zu einem produktionstechnischen Overkill führen können, doch Hauptdarsteller, Co-Autor und Mitproduzent Ryan Reynolds – der lange für die Realisierung des ersten Teils gekämpft hatte – wollte sich weiterhin mehr auf abgefahrenen Humor konzentrieren denn auf Schauwerte. Eigentlich nicht unsympathisch. Dafür ist die Handlung der Comicverfilmung anfangs ein wenig zerfahren und braucht eine Weile, um in Gang zu kommen.

Achtung, Spoiler: Vanessa (Morena Baccarin), die Geliebte des Supersöldners Deadpool (Ryan Reynolds), fällt einem Mordanschlag zum Opfer. Dies hat tiefe Depressionen des Antihelden zur Folge, der bereits von einer Familie träumte. Doch nachdem Deadpool so gut wie unzerstörbar ist, kommt auch Selbstmord nicht in Frage. Einige Mitglieder der X-Men wollen Deadpool wieder aufrichten und ihn zu einem der ihren machen, doch einen richtigen Sinn im Leben findet er erst wieder, als er sich um den jungen Mutanten Russell kümmert, in dem destruktive Kräfte schlummern. Hinter Russell – Kampfname Firefist – ist allerdings ein Cyborg aus der Zukunft her: Cable (Josh Brolin) will Russell aus persönlichen Motiven töten. Während Deadpool von Erinnerungen an seine tote Geliebte gequält wird, kommt es zur Gründung einer neuen Superhelden-Gruppe (aus der besonders Zazi Beetz als Glücksritterin Domino heraussticht), entstehen unerwartete Allianzen und wird wieder alles Mögliche in Schutt und Asche gelegt.

Der Look des wieder in Kanada gedrehten Films ist, wie gesagt, erneut eher „klein“: Die Farbpalette wird von Grautönen beherrscht, allzu ausgefeilte Plansequenzen gibt es nicht und die Computereffekte sind solide. Wie beim ersten Teil ist also auch hier der Humor der große Trumpf; politisch unkorrekte Scherze, Popkulturzitate en masse, das Durchbrechen der vierten Wand, Splattereffekte, Peniswitze und die Verarschung des Genres Comicverfilmung lassen in keiner Sekunde Langeweile aufkommen. Dazu gibt es amüsante Cameos.

Reynolds und der herrlich lakonische Brolin – dessen Rolle mehrere Parallelen zum „Terminator“-Franchise aufweist –, sind ein gutes Gespann, wie man es aus Buddy Movies kennt. Wenn Cable den nicht totzukriegenden Deadpool fragt: „Who are you?“ und dieser mit „I’m Batman“ antwortet, darf schon gelacht werden (zudem ergeben sich die Parallelen zur „Avengers-Reihe“, in der Brolin Thanos spielt, quasi von selbst). Auch die Actionszenen sind besonders dann gelungen, wenn sie übertriebene Gemetzel mit jenem derben Humor verbinden, der in herkömmlichen Superheldenfilmen nicht möglich ist. Schönes Beispiel: Einer der Bösewichte wird unter anderem auf anale Weise bekämpft.

Dadurch, dass der Film kaum etwas ernst nimmt, wird der zu Beginn etablierte tragisch-emotionale Aspekt der Handlung allerdings ein wenig unterminiert. Der Preis des Entertainments. Aber gut, dafür darf am Ende doch ein klein wenig Rührung aufkommen. Nach dem Ende des Hauptfilms sollte man übrigens noch kurz sitzenbleiben, denn die Mid-Credits-Montage ist besonders respektlos – und verschont auch Hauptdarsteller Reynolds nicht.

 

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Deadpool 2


Comicverfilmung/Komödie, USA 2018
Regie David Leitch 
Drehbuch Rhett Reese, Paul Wernick, Ryan Reynolds 
Kamera Jonathan Sela 
Schnitt Dirk Westervelt 
Musik Tyler Bates 
Produktionsdesign David Scheunemann 
Kostüm Kurt and Bart
Mit Ryan Reynolds, Josh Brolin, Morena Baccarin, Julian Dennison, Zazie Beetz, T.J. Miller
Verleih Centfox, 110 Minuten
Kinostart 17. Mai

 

 



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