Fliegende Fäuste

Der Taschen Verlag widmet der langlebigen „Rocky“-Reihe eine schwergewichtige Veröffentlichung.

 

Es begann als Underdog-Story zur Zeit New Hollywoods: Der prekär lebender Schauspieler Sylvester Stallone, ein  Endzwanziger, war 1975 Zeuge des legendären Fights zwischen Schwergewichtschampion Muhammad Ali und dem unbekannten Herausforderer Chuck Wepner.

Obwohl Wepner durch technischen K.O. verlor, stand er bis zum Ende seinen Mann und brachte Ali sogar mehrmals in Bedrängnis. Stallone ließ sich davon zu einem Drehbuch inspirieren, in dem ein weißer Außenseiter namens Rocky Balboa gegen den amtierenden schwarzen Champion Apollo Creed zwar nach Punkten verlor, insgesamt jedoch einen moralischen Sieg einfuhr.

Die Produzenten Irwin Winkler und Robert Chartoff zeigten Interesse, doch Stallone wollte sein Skript nur unter der Bedingung verfilmen lassen, selbst die Hauptrolle spielen zu dürfen. Winkler und Chartoff ließen dies nach harten Verhandlungen zu, allerdings musste Stallone sich mit niedriger Gage und prozentualer Beteiligung am Einspielergebnis begnügen. Letzteres erwies sich als wahrer Glückstreffer, denn der Film geriet zu einem der größten Kassenhits des Jahres 1976 und streifte zudem drei Oscars ein (Bester Film, Beste Regie für John G. Avildsen, Bester Schnitt für Richard Halsey und Scott Conrad; Stallone wurde in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert). Die immer bombastischeren Fortsetzungen, bei denen Stallone dann auch stets am Regiestuhl Platz nahm, spiegelten dann auf ihre Art den Wandel New Hollywoods zur Blockbuster-Ära der achtziger Jahre wider: Rocky wurde natürlich zum Champion und gewann in Rocky IV sozusagen im Alleingang den Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Auf insgesamt sieben Filme hat man es mittlerweile gebracht, wobei die Reihe, ihrem Helden gleich, mitunter schwer angeschlagen war (Rocky V geriet zum künstlerischen wie kommerziellen Flop). Doch Rocky hielt sich hartnäckig in den Seilen und mit Creed (2015, Regie: Ryan Coogler) konnte sich sogar ein erfolgreiches Spin-off etablieren, in dem Adonis (Michael B. Jordan) der Sohn Apollos, im Mittelpunkt steht. Stallone trat hier als Mentor der Titelfigur auf und wurde als Bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert – dass ein Schausieler zweimal für dieselbe Rolle nominiert wurde, ist bislang ein Unikum in der Academy-Geschichte. Wahrlich, Rocky ist, noch vor Rambo, Stallones Lebensrolle.

Bevor im Jänner 2019 Creed 2 startet, kann man die Reihe nun zwischen zwei Buchdeckeln Revue passieren lassen. Eine von Stallone signierte Collector's Edition, die der Verlag Taschen in Zusammenarbeit mit Stallone und MGM erstellte, punktet mit einer Fülle an Bildern, wobei besonders die während der Dreharbeiten entstandenen dynamischen Fotos des renommierten Sportfotografen Neil Leifer hervorstechen. Dazu kommen rares Archivmaterial, jede Menge Interviews sowie ein Vorwort von Stallone. Und da der Star ja, wie mittlerweile bekannt sein dürfte, der Bildenden Kunst überaus zugetan ist, findet sich auch ein Kunstdruck von Stallones Gemälde „Finding Rocky“ (1975) im Band. Abgerundet wird die Veröffentlichung durch das Faksimile eines Notizbuchs, in dem sich Stallone während der Rocky-Dreharbeiten Dialoge und Szenenentwürfe notierte. Die Genese der Figur wird dadurch ebenso sichtbar wie der Wandel eines Surprise-Hits zur kultigen Kommerzreihe. Entstanden ist so ein Schwergewicht von einem Buch, das für Rocky-Fans ebenso interessant sein dürfte, wie für jene, die Interesse an der US-Filmgeschichte von den 1970er Jahren bis heute haben.

 



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Fotos ~ ROCKY, ROCKY BALBOA, CREED and all related ROCKY and CREED Trademarks, Logos and Materials © 1976 – 2018 Metro-Goldwyn Mayer Studios Inc. All Rights Reserved.

Sylvester Stallone, Paul Duncan (Hg.)
Die Rocky-Saga: Alle Filme
Edition von 1.926 Exemplaren
Taschen Verlag, Köln 2018
380 Seiten, € 750

 

Rocky-Buchpräsentation im TASCHEN Store Beverly Hills; Foto ~ Eric Charbonneau

 



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