Die Unsichtbaren – Wir wollen leben

Bewegender Film über die Erlebnisse untergetauchter Juden in der NS-Zeit

 

Im Jahr 1943 erklärt Propagandaminister Joseph Goebbels die Reichshauptstadt Berlin für „judenfrei“. Doch dem war nicht so. Versteckt in Hinterzimmern, Dachkammern und hinter falschen Identitäten lebten an die 7.000 Juden eine gefährliche Existenz inmitten der Machtzentrale der Nationalsozialisten.

Die Unsichtbaren begleitet mit einer Mischung aus Interviews und Spielfilm-Szenen die Erlebnisse von vier Juden, die sich als junge Erwachsene im Verborgenen lebend durchschlugen und überlebten. Cioma Schönhaus ist ein gewiefter junger Mann, der schon bald im großen Stil Pässe fälscht, um Verfolgten zur Flucht zu verhelfen. So gewissenhaft er an den Dokumenten arbeitet, so schusselig ist er auch zuweilen, was ihn vor allem gegen Ende des Krieges in Lebensgefahr bringt. Die Vollwaise Hanni Lévy beschließt, sich die Haare blond zu färben und ihren Namen zu ändern, doch immer wieder verliert sie ihre Unterkunft und gerät ohne Familie und Vertraute in eine prekäre Situation. Während Eugen Friedes jüdische Mutter aufgrund der Verordnung der Mischehe vor einer Verhaftung geschützt ist, wird der junge Mann als „Halbjude“ gesucht. Die Eltern beschließen, ihn bei Freunden unterzubringen, wo er sich einer Widerstandsgruppe anschließt, die Flugblätter verteilt, um die Menschen über die unfassbaren Gräueltaten in den Konzentrationslagern aufzuklären. Auch die Familie von Ruth Arndt muss sich aufteilen. Zusammen mit ihrer Freundin Ellen besuchen sie als Kriegswitwen getarnt Kinovorstellungen, bis sie schließlich Anstellungen als Hausmädchen bei einem NS-Offizier bekommen, der einen regen Schwarzhandel betreibt.

Der Film erzählt einen Teil der Geschichte, der bis heute kaum bekannt ist. Die von den talentierten Jungschauspielern dargestellten Spielfilmszenen verleihen den Erzählungen aus den Interviewsequenzen noch mehr emotionale Tiefe und machen Angst, Unsicherheit und Hoffnung greifbar, ebenso wie die teilweise überraschende Leichtigkeit, die die Zeitzeugen selbst auf ihr damaliges junges Alter zurückführen. Sowohl Ensemble als auch Crew leisten großartige Arbeit, die Atmosphäre der letzten Kriegsjahre erlebbar zu machen. Und neben all den dunklen Momenten und beängstigenden Szenen, die der Film zeigt, erfährt man jene Details, die zu schildern auch den Zeitzeugen stets ein großes Anliegen war bzw. ist: die Namen und Taten jener mutigen Menschen, die ob durch die Bereitstellung eines Zimmers, einer warmen Mahlzeit oder eines gefälschten Passes stumm gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten protestiert haben.

 

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Dokudrama, Deutschland 2017


Regie Claus Räfle
Drehbuch Claus Räfle, Alejandra López
Kamera Jörg Widmer
Schnitt Jörg Hauschild, Julia Oehring
Musik Matthias Klein
Production Design K. D. Gruber
Kostüm Ute Paffendorf
Mit Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee, Aaron Altaras, Victoria Schulz, Florian Lukas, Andreas Schmidt, Laila Maria Witt
Verleih Tobis Film, 110 Minuten
Kinostart 26. Oktober

 


 



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