DIE VERFÜHRTEN / THE BEGUILED

Nicole Kidman in Höchstform

 

Es ist ihr Jahr, und das lässt sie sich nicht nehmen: Nicole Kidman strahlte bei den Filmfestspielen in Cannes eine Kraft, Schönheit und Versiertheit aus, die ihresgleichen sucht. Mit zwei Filmen war sie im Wettbewerb vertreten, zwei weitere liefen „außer Konkurrenz“, und am Ende wurde ihr auch noch ein Ehrenpreis verliehen. Wohlverdient, möchte man meinen, denn hervorragend ist sie in allem, was sie derzeit tut, auch wenn die Qualität der jeweiligen Filme insgesamt bisweilen hinter ihre schauspielerische Brillanz zurückfällt. Aktuelles Beispiel dafür ist Sophia Coppolas aufpolierte Neuverfilmung des schwülen Südstaaten-Melodrams The Beguiled, in dem Kidman Martha Farnsworth, die souveräne Leiterin eines Mädchenpensionats spielt, das in den Zeiten des andauernden Bürgerkriegs fünf heranwachsende Mädchen und deren gutherzige Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) beherbergt. Die gepflegte Ordnung des Hauses steht plötzlich Kopf, als die jüngste unter Mrs. Farnsworths wohlerzogenen Schützlingen eines Tages den schwerverletzten Unions-Korporal John McBurney (Colin Farrell) anschleppt, den sie beim Pilzesammeln im Wald aufgelesen hat.
Nach kurzem Zögern, was mit dem angeschlagenen Feind geschehen solle, entscheidet man sich dazu, dem Verwundeten zunächst wieder auf die Beine zu helfen, bevor man ihn den eigenen Truppen übergibt. Die Regeln sind klar: Abstand halten und Vorsicht walten lassen! Doch bei so viel hilfloser Männlichkeit im Musikzimmer bleibt den züchtigen jungen Damen bald keine andere Wahl, als einander ganz behutsam, mit viel Charme und Geschick gegenseitig auszuspielen, in der leisen Hoffnung, die Gunst des stattlichen Soldaten zu ergattern – mit Erfolg. Denn kurz scheint es, als sei der Korporal tatsächlich dem jungfräulichen Charme verfallen – was für den weiteren Verlauf der Handlung fatale Folgen hat.
Ähnlich elegant wie einst in The Virgin Suicides (1999) gelingt es Sofia Coppola auch hier, mit vielsagenden Blicken, Gesten und Gegenschnitten ein angemessen ambivalentes Ambiente zu schaffen, in dem die erotische Triebkraft der Romanvorlage von Thomas P. Cullinan zum Vorschein kommt. Dem gleichnamigen Original von Genremeister Don Siegel aus dem Jahr 1971, in dem Clint Eastwood den großen Verführer gibt, vermag ihre angeblich so feministische Version jedoch nur bedingt das Wasser reichen. Denn auch wenn Kidman und Dunst alles geben, der halbseidenen Geschichte genügend Pfeffer und Pathos  zu verleihen, fällt der Film am Ende merkwürdig flach und berechenbar aus.

 

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Drama, USA 2017


Regie, Drehbuch Sofia Coppola,
Kamera Philippe Le Sourd
Schnitt Sarah Flack
Musik Phoenix
Production Design
Anne Ross
Kostüm Stacey Battat
Mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, Angourie Rice, Oona Laurence, Emma Howard, Addison Riecke
Verleih Universal Pictures, 94 Minuten
Kinostart 29. Juni

 



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