Konvertierungsprogramm des Imaginären

Das donaufestival steht erstmals unter der Leitung von Thomas Edlinger.

 

Gegen die Verdunkelung der Zeit: Das donaufestival 2017 wird manches neu machen und doch erkennbar bleiben als ein Konvertierungsprogramm des Imaginären. Als Ritual. Vielleicht auch als Virus, der auf die Ansteckung von Wir-NGOs statt auf die Vergiftung durch Ich-AGs hofft.

Der neue künstlerische Leiter Thomas Edlinger, die neue Kuratorin für Performance, Bettina Kogler, und das bewährte Team des donaufestival stellen sich der Aufgabe, das Verhältnis zwischen machtkritischem, ästhetischem Eigensinn und allianzfähigem Gesellschaftsbezug auszuloten. Die bestens eingeführten Programmschwerpunkte Musik, Performance und Bildende Kunst sollen leitmotivisch verschränkt sowie durch zusätzliche Formate und Kommunikationsangebote ergänzt und vertieft werden.

The Body, Ian William Craig, Elysia Crampton, Einstürzende Neubauten, GAS live, Gazelle Twin, Moor Mother werden am ersten Wochenende (28. April bis 1. Mai) in Krems erwartet, Actress, Deafheaven, Klara Lewis, This Is Not This Heat und Stian Westerhus am zweiten Wochenende (5. und 6. Mai). Unter den performativen Projekten finden sich Ariel Efraim Ashbel and Friends, Stephan Geene feat. Claudia Basrawi, Justus Köhncke & Ricky Shayne, Vika Kirchenbauer sowie Kris Verdonck / A Two Dogs Company.

Gegen die Verdunklung der Gegenwart konsultiert Ariel Efraim Ashbel Futurismen aus vergangenen Jahrzehnten und legt deren assoziative Potenziale frei, während der Theoretiker Stephan Geene mit dem Musiker Justus Köhncke die subversive erotische und politische Sprengkraft eines libanesischstämmigen Schlagersängers im Westdeutschland der siebziger Jahre performativ rekonstruiert. Brücken in andere Zeiten und ihre Potenziale schlagen auch This Is Not This Heat, die die wegweisende No Wave/Art-Rock-Band This Heat wiederauferstehen lässt, und der schimmernde Ambient-Signaturesound von GAS live, verantwortet vom Kölner Autorentechno-Pionier Wolfgang Voigt.

Elysia Crampton verschmilzt nomadische Klänge aus Lateinamerika mit dahinstolpernden Beatstrukturen zu variantenreichen Tracks, während Klara Lewis atmosphärische Drones zelebriert und ihre Soundfiles in teilweise fast poppige Passagen gleiten lässt. Schroff und unversöhnlich wie einst die verdienten Kollegen der Lärminstitution Einstürzende Neubauten geben sich hingegen The Body: „Niemand verdient Glück“, schreit das aufwühlende aktuelle Album der Metal-Freigeister. Der Ausnahmegitarrist und Neo-Sänger Stian Westerhus erforscht die Düsternis der Amputation, verstanden als metaphorisches Vehikel für eine Musik voller verwundeter Schönheit, die sich auch im von elektronischen Störungen und Verzerrungen überwölkten, vielleicht einmal strahlenden Gesang von Ian William Craig offenbart. Deafheaven gelten als bahnbrechende Band des Blackgaze, einer Kreuzung aus entsatanisiertem Black Metal und den dichten, psychedelischen Gitarrenwänden des Shoegaze-Genres. Moor Mother bezeichnet ihren mit Free-Jazz-Anleihen versetzten Low-Fi-Rap selbst als aufwühlenden „Slaveship Punk“. DJ LAG gilt mit seinen peitschend-minimalistischen Tracks als Aushängeschild der expandierenden Quom-Szene aus dem südafrikanischen Durban. Die digitalen Scherenschnitte des Producers Actress sorgen für schlingernde, von Übersteuerung bedrohte Noisedancetracks. Gazelle Twin kontrastiert ihre Cold Wave-Elektronik mit der artistischen Intimität ihrer gehauchten und gemorphten Stimme.

Veränderte Körperausdrücke und Wahrnehmungsformen finden sich auch in den Videoarbeiten der Künstlerin Vika Kirchenbauer, während der Bildende Künstler und Theatermacher Kris Verdonck mit einer Szenenfolge faszinierender installativer Erfindungen nicht nur von der Objektophilie, sondern auch von der Abwesenheit des Menschen erzählt.

 

 

 



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28. April bis 6. Mai, Krems

www.donaufestival.at

 



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