Aus der Praxis, für die Praxis

Die fünfte Auflage des Film Campus in Innsbruck fand vom 4. bis 10. September, erstmals unabhängig vom Internationalen Filmfestival, in den wunderschönen Räumen des Künstlerhauses Büchsenhausen statt.

 

Diese Abspaltung vom Festival und vor allem auch die Konzentration auf den Bereich Kamera haben sich bestens bewährt. Die Arbeitsatmosphäre unter den 20 Teilnehmerinnen und -nehmern aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien, Tschechien und Syrien war sehr konzentriert, wobei genug Platz für das so wichtige Networken untereinander und mit den Vortragenden blieb. Die Qualität so eines intensiven Seminars über die handwerklichen und künstlerischen Voraussetzungen für den Beruf eines DoP´s steht und fällt mit der Auswahl der „Lehrer“. Heuer landeten die Organisatorinnen Evelin Stark und Marion Matuella lauter Glückstreffer mit internationalem Renommee, die sehr unterschiedliche Positionen und Philosophien vertreten. Auffallend bei den Masterclasses war vor allem die starke Orientierung an der Praxis, was aber auch kein Wunder ist, stehen doch alle Kameraleute mitten im Berufsleben.

Romy-Preisträgerin Leena Koppe (Gruber geht) beschäftigte sich mit dem spannenden Prozess des Findens einer Filmsprache nach dem Lesen des Drehbuchs, während der Lichtexperte Jakob Ballinger den Teilnehmern vor Ort im Bartenbach-Studio einen Einblick in die atemberaubenden Möglichkeiten des CRLS-Systems gab, das ausschließlich mit reflektierendem Licht arbeitet. Der authentische Look eines Films ist auch für Reinhold Vorschneider wichtig, der mit Angela Schanelec, Maria Speth und Thomas Arslan die reduzierte Bildsprache der sogenannten Berliner Schule mitgeprägt hat. Die Künstlerin, Fotografin und Dokumentarfilmerin Heidrun Holzfeind ging Fragen der Location und des optimalen dokumentarischen Framings nach. Auch der polnische Fotograf und DoP Piotr Jaxa ist ein Anhänger des natürlichen Lichts, dessen Wirkung er an Hand vieler Beispiele aus seiner Zusammenarbeit mit Krysztof Kieslowski erklärte. Die Filmvorführungen im Cinematograph am Vortag der einzelnen Masterclasses (Das große Heft – Lichtsetzung Jakob Ballinger, Drei Farben: Blau – Still Photography Piotr Jaxa und Der Räuber – Kamera Reinhold Vorschneider) waren die optimale Einstimmung auf die mit vielen Ausschnitten gespickten Vorträge. Wobei Vortrag eigentlich das falsche Wort ist, denn die Teilnehmer konnten jederzeit Fragen stellen, wovon sie ausgiebig Gebrauch machten, auch nach dem Ende standen die Experten für weiterführende Gespräche gerne zur Verfügung.

Diese kollegiale, von wechselseitigem Respekt geprägte Atmosphäre trug entscheidend zum Erfolg der Veranstaltung bei und hinterließ auch bei den Teilnehmern einen positiven Eindruck: Judith Barfuß, die nach einem Jahr die Filmakademie abgebrochen hat, um sich völlig frei eigenen Projekten widmen zu können, schwärmt von der Vielzahl der Ideen, die sie schon nach ihrer ersten Teilnahme am Innsbruck Film Campus vor drei Jahren noch lange inspiriert haben. Auch die Vernetzungsidee hat gut funktioniert, hat sie doch mit zwei anderen Teilnehmerinnen mehrere Filme realisiert. „Für mich war gerade der heuriger Schwerpunkt auf Kamera, Fotografie und Licht ein starker Anreiz, mich erneut zu bewerben. Ich bin begeistert von der Bandbreite des Angebots, von sehr technischen bis zu gestalterischen Fragen ist jeder Aspekt der Kameraarbeit vertreten. Auch der gegenseitige Austausch ist sehr wichtig, zum Beispiel, wenn wir die Filme der anderen Teilnehmer sehen konnten und diese in freundschaftlicher Atmosphäre auch beim Abendessen oder nach den Kinovorstellungen besprechen konnten. Man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, eine Szene zu drehen, weil man so viele unterschiedliche Ansätze in so kurzer Zeit detailliert erklärt bekommt. Ich hab gemerkt, dass ich von jedem was mitnehmen kann, nicht nur von den Vortragenden, sondern auch von den Kollegen, die auch auf ihrem Gebiet schon Experten sind.“

Wer jetzt selber Lust auf eine lehrreiche und unterhaltsame Woche mit Gleichgesinnten Filmverrückten bekommen hat, kann sich gerne für den nächsten Innsbrucker Filmcampus bewerben. Heuer wurde immerhin eine/r von drei ausgewählt, die Chancen stehen also gar nicht so schlecht. Die Unterrichtssprache ist Englisch, das Budget wird kaum belastet, die Teilnahme ist nämlich gratis, es werden das Hotel und die Essensausgaben vom Campus bezahlt (hervorragender hausgemachter Lunch), sogar von den Fahrtspesen bekommt man einen Teil zurück. Das ist natürlich nur möglich durch die Unterstützung des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck und zahlreicher privater Sponsoren, die zurecht an diese schöne in Österreich einzigartige Idee eines qualitativ hochwertigen Filmcampus glauben. Am erfolgreichen Konzept soll wenig geändert werden, einzig der Vorschlag nach einem reinen Praxis-Modul, in dem dann auch ein eigener Film entstehen könnte, wird von den Organisatorinnen auf seine Umsetzbarkeit – vor allem in finanzieller Hinsicht – geprüft.

 

www.film-campus.at

 



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Fotos ~ Daniel Jarosch



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