Bewährte Kräfte

Heute beginnt die Oscar-Saison – wenn Alexander Paynes Komödie „Downsizing“ das 74. Filmfest in Venedig eröffnet. Matt Damon und Christoph Waltz spielen die Hauptrollen.

 

Das älteste Filmfestival der Welt hat in den vergangenen Jahren immer wieder ein erstaunlich sicheres Händchen für Oscar-Kandidaten bewiesen, von Gravity über Birdman 2014 bis La La Land im vergangenen Jahr, der danach sechs Academy Awards abräumte. Hollywood feiert gerne Weltpremieren in Venedig, für viele Filme ist es der Startschuss in den heißen Kampagnenherbst mit unzähligen Preisverleihungen bis zur Oscar-Nacht im März. Venedig kann damit aus dem Vollen schöpfen und muss sich nicht, wie die beiden Konkurrenzfestivals in Cannes und Berlin oft, mit zweitklassigen Eröffnungsfilmen abfinden, die nach der Premiere schnell in Vergessenheit geraten.

Das US-Kino ist in diesem Jahr wieder stark vertreten. George Clooney stellt seine neue Regiearbeit, die Kriminalkomödie Suburbicon vor, in der er neben erneut Matt Damon auch Julianne Moore und Oscar Isaac vor der Kamera standen. Darren Aronofsky inszeniert Jennifer Lawrence, Javier Bardem und Michelle Pfeiffer in dem Gruselschocker mother!, Guillermo del Toro lässt im Fantasyfilm The Shape of Water eine stumme Putzfrau dem Charme eines Seeungeheuer verfallen, und in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri legt sich Frances McDormand mit der Polizei an, nachdem ihre Tochter ermordet wurde und auch Monate danach noch kein Täter gefasst wurde.

Auch die beiden großen Damen des britischen Kinos geben sich auf dem Lido die Ehre. Judi Dench (82) schlüpft in Victoria and Abdul noch einmal in die Rolle der Queen Victoria. Geschildert wird ihre ungewöhnliche Freundschaft zu ihrem aus Indien stammenden Bediensteten Abdul Karim. Regisseur Stephen Frears erhält am Sonntag außerdem einen Ehrenpreis des Festivals, wenige Tage bevor Dench am 9. September ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum begehen wird. Und Helen Mirren (72) begibt sich im Roadmovie The Leisure Seeker in einem alten Wohnmobil und mit Filmgatten Donald Sutherland (82) auf Abenteuertour auf den Spuren Hemingways. Mirren zeigte dabei vollen Körpereinsatz: da ihre Figur an Krebs erkrankt ist, ließ sich der Filmstar für die Rolle den Kopf kahl scheren.

Kino-Ikonen kommen auch aus den USA. Die beiden Schauspiellegenden Robert Redford (81) und Jane Fonda (79) werden zusammen mit Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt. Das nicht ohne Grund: bereits vier Mal standen sie gemeinsam vor der Kamera. Neben einer Vorführung des Klassikers Der elektrische Reiter von Sydney Polack aus dem Jahr 1979 wird es am Freitag nach der Verleihung außerdem die Premiere eines neuen Films mit den beiden Stars geben, die Netflix-Produktion Our Souls At Night. In dem Liebesdrama spielen sie zwei Nachbarn, die nach dem Tod ihrer Lebenspartner noch mal gemeinsam spätes Glück finden.

Überhaupt entdeckt Venedig in seinem 74. Jahr die Liebe für Altmeister und Kinolegenden. Regisseur und Taxi Driver-Drehbuchautor Paul Schrader (71) inszeniert Ethan Hawke und Amanda Seyfried im Thrillerdrama First Reformed, und William Friedkin (81) kehrt mit seinem Dokumentarfilm The Devil and Father Amorth zu seinem Lieblingsthema Exorzismus zurück. Michael Caine (84) tritt in My Generation auf, Charlotte Rampling (71) kommt mit dem italienischen Drama Hannah.

Aber auch an jungen Talenten mangelt es bei der Mostra nicht. Sienna Miller spielt die Hauptrolle in The Private Life of a Modern Woman, Kirsten Dunst im Drama Woodshock der beiden Schwestern Kate und Laura Mulleavy, die hauptberuflich als Modelabel Rodarte erfolgreich sind. Sie treten damit in die Fußstapfen von Designer Tom Ford, der seine beiden Ausflüge in die Filmwelt ebenfalls auf dem Lido präsentiert hatte.

Neben dem großen Staraufgebot finden sich auch bekannte Autorenfilmer des Weltkinos im Wettbewerb. So dürfen sich der tunesisch-stämmige Franzose Abdellatif Kechiche, der Japaner Kore-eda Hirokazu und der Israeli Samuel Maoz Hoffnungen auf den Goldenen Löwen bei der Preisverleihung am 9. September machen. Aus Österreich hat es mit Ruth Maders Life Guidance immerhin ein Film ins Programm geschafft, wenn auch außerhalb des prestigeträchtigen Wettbewerbs.

 

www.labiennale.org/en/cinema/2017

 

 



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