Donald, Dench und Depp

Das Filmfest Zürich feierte seinen 14. Geburtstag gewohnt luxuriös.

 

„Sie fragten mich: ,Ist er verrückt, betrunken oder schwul?‘ Und ich antwortete: 'Sind nicht alle meine Filmfiguren schwul?'“, mit solchen Sprüchen gab sich ein Hollywood-Star aus der A-Liga die Ehre beim Publikumsgespräch auf dem Filmfest Zürich. Mit einem satten Budget von umgerechnet 6,3 Millionen Euro können die Schweizer traditionell große Sprünge machen und hochkarätige VIPs in die Luxus-Metropole locken. Neben Johnny Depp und seinem schrulligen Outing gaben sich Viggo Mortensen, Wim Wenders und Donald Sutherland die Ehre bei der 14. Festivalausgabe vom 27. September bis 7. Oktober. Schauspiel-Ikone Judi Dench bekam den Golden Icon Award für ihr Lebenswerk.

Beim Programm verlassen sich die Festival-Chefs Nadja Schildknecht und Karl Spoerri auf die Highlights von Cannes, Venedig und Toronto. Von A Star is Bornvon Bradley Cooper über Cold Warvon Pawel Pawlikowski bis Green Bookvon Peter Farrelly, Beautiful Boyvon Felix van Groeningen, Dogmanvon Matteo Garrone und natürlich Romavon Alfonso Cuarón reichte das Spektrum der potenziellen Oscar-Kandidaten. Neben diesem publikumswirksamen „Best of“ der A-Festivals stehen freilich auch risikofreudigere Werke auf dem mehr als 160 Filme umfaasenden Programm. Die Reihen „Border Lines“ oder „Hashtag #Big Data“ etwa widmeten sich explizit Stoffen, die sich mit Grenzsituationen und sozialen Konflikten auseinandersetzen. Immerhin ein Dutzend Weltpremieren vermeldet die Festival-Statistik stolz. Darunter auch Trautmannvon Marcus H. Rosenmüller, ein Biopic über den legendären Torwart von Manchester City. David Kross gibt den Titelhelden, der als Wehrmachtssoldat in britische Kriegsgefangenschaft gerät und alsbald durch sportliche Leistungen auf sich aufmerksam macht. Der Jubel endet schnell, als die Vergangenheit des jungen Torhüters bekannt wird. Nicht nur die jüdische Gemeinde von Manchester fordert die Entlassung des Sportlers, dem einst das Eiserne Kreuz verliehen wurde. Doch als Trautmann immer mehr Bälle hält und sogar mit Genickbruch noch weiterspielt, avanciert er zum Helden. Mit seinem Debüt Wer früher stirbt ist länger totlandete Rosenmüller vor zwölf Jahren einen Komödien-Coup, der 1,8 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos lockte. Mit der Beste Zeit-Trilogie präsentierte sich der Bayer als pfiffiger Erneuerer des Heimatfilms. Der Ausflug nach England gerät indes zum Flop. Ein biederes Malen-nach-Zahlen mit bleischwerer „Alle-Menschen-werden-Brüder“-Botschaft und einem ausgesprochen hölzernem David Kross.

Mehr Talent offenbarte der Belgier Lukas Dhont mit seinem Debüt Girl. Eindrucksvoll erzählt er die Geschichte eines jungen Tänzers, der als Junge im falschen Körper geboren wurde und sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen möchte. Für die Jury von Zürich war das ein „Goldenes Auge“ wert, immerhin dotiert mir umgerechnet rund 22.000 Euro. Auch die Österreicherin Katharina Mueckstein kam mit ihrem zweiten Langfilm, dem Coming-of-Age Drama L’Animale, auf das Siegertreppchen und kann sich über ein Preisgeld von immerhin rund 17.500 Euro freuen - von solchen Füllhörnern können andere Festivals nur träumen.

zff.com

 

 



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