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Die Golden Globes, die Preise der ausländischen Hollywood-Korrespondenten, werden am 8. Jänner in Beverly Hills verliehen. Sie gelten als wichtige Hinweise auf die Oscars.

 

Am Abend des 8. Jänner wird der Festsaal des Beverly Hilton Hotels wieder einmal zum Nabel der Filmwelt. Die gravierendste Neuerung betrifft den Moderator des Abends. Der britische Komiker Ricky Gervais, dessen Scherze sich sehr oft entlang der Gürtellinie bzw. an der Grenze zur Beleidigung bewegten, hatte die Show in den letzten sieben Jahren viermal geleitet. Nun ist erstmals „Tonight-Show“-Host Jimmy Fallon an der Reihe, der zuletzt im September wegen seiner, wie viele meinten, streichelweichen Behandlung des (damaligen) Präsidentschaftskandidaten Donald Trump viel Kritik geerntet hatte.

Die Golden Globes sind der erste Höhepunkt der jährlichen „Award Season“ des US-Filmbusiness. Unter den vielen Preisen, die noch vor den Academy Awards aka „Oscars“ (Ende Februar) vergeben werden und die sich in den letzten Jahren wie die sprichwörtlichen Pilze vermehrt haben, sind die „Globes“, trotz des Hohns und Spottes, die vor allem Nicht-Gewinner für sie bisweilen übrig haben, die wichtigsten. Und auch wenn den Auslandskorrespondenten in Hollywood vielfach unterstellt wird, sie würden die Filme, die sie auszeichnen, gar nicht kennen, haben die „Globes“ doch einige Relevanz – gelten sie doch als wichtigste Indikatoren für die Oscars. Nicht von ungefähr werden die Oscar-Nominierungen stets kurz nach der Globes-Verleihung bekanntgegeben, diesmal am 14. Jänner. Die Hollywood Foreign Press Association wurde 1943 als offizielle Vertretung der ausländischen Journalisten gegründet, die das ganze Jahr über in Hollywood arbeiten. Gedacht war der Kritikerpreis, der 1944 ins Leben gerufen wurde, ursprünglich zum Zwecke der Völkerverständigung. 1956 ging man dazu über, auch Fernsehserien, Fernsehfilme und -shows auszuzeichnen – und das, obwohl es schon seit 1949 den Fernsehpreis „Emmy“ gab. Kritisiert wird an den Golden Globes immer wieder – ohne dass diese Kritik je auf fruchtbaren Boden gefallen wäre – die Aufteilung der „besten Filme“ (und der Schauspielerinnen und Schauspieler) in „Drama“ und „Comedy/Musical“, was bisweilen zu skurrilen Ergebnissen führt. Man denke nur an letztes Jahr, als Ridley Scotts The Martian in die letztere Kategorie gereiht wurde. Für alle anderen wichtigen Kategorien (Regie, Kamera, Schnitt, usw.) gilt die Aufteilung  inkonsequenterweise wiederum nicht.

Das Rennen um die Film-Globes erscheint 2017 offen wie selten zuvor. Zwar hat Damien Chazelles Musical La La Land (siehe „ray“ 12/16) mit sieben Nominierungen die Nase vorn, mit Moonlight (Barry Jenkins, 6) und dem Viennale-Eröffnungsfilm Manchester by the Sea (Kenneth Lonergan, 5) gibt es aber zumindest zwei starke Konkurrenten. Besonders schwer vorherzusagen ist die Regie-Kategorie – neben den drei Genannten sind auch noch Tom Ford (Noctural Animals) und Mel Gibson (Hacksaw Ridge) nominiert – und man darf sich auch ein bisschen darüber wundern, dass Dennis Villeneuve (Arrival) es nicht unter die fünf Kandidaten geschafft hat. Den klarsten Favoriten gibt es wohl im Bereich des fremdsprachigen Films: An Maren Ades Vater-Tochter-Tragikomödie Toni Erdmann führt mutmaßlich kein Weg vorbei. Aber wer weiß ...

www.goldenglobes.com

 

 



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