The Great Wall

East meets West in Zhang Yimous furiosem 3D-Fantasy-Spektakel.

 

Als „A dream of China … that probably never existed“beschrieb seinerzeit der bis dahin auf Arthouse-Filme spezialisierte taiwanesische Regissseur Ang Lee seinen ersten mit Hollywood-Geldern produzierten Martial-Arts-Klassiker Crouching Tiger, Hidden Dragon (2000), der nicht nur mit sieben Oscars veredelt wurde, sondern auch als erste asiatische Ko-Produktion in den USA mehr als 100 Millionen Dollar an den Kinokassen einspielte. Der für alle Beteiligten unerwartete Erfolg dieser bis dahin größten Zusammenarbeit zwischen Hollywood und China findet nun in Zhang Yimous furiosem Fantasy-Spektakel The Great Wall, mit 150 Millionen Dollar Budget der teuerste chinesische Film aller Zeiten, einen adäquaten Nachfolger.

Der vor allem mit sozialen Dramen bekannt gewordene chinesische Regisseur setzt nach seinen ersten kommerziellen Genre-Ausflügen wie Hero (2002), House of Flying Daggers (2004) und Curse of the Golden Flower (2006) ganz auf triviale chinesische Märchenwelten. Die Geschichte zweier europäischer Söldner (Matt Damon, Pedro Pascal) im 15. Jahrhundert, die auf der Suche nach dem legendären Schwarzpulver im Land der Mitte auf die titelgebende Große Mauer stoßen und dabei in eine alle 60 Jahre stattfindende Invasion von Monstern geraten, ist ein unterhaltsamer wilder Mix aus chinesischem Historien-Epos und amerikanischem Special-Effects-Gewitter a la Peter Jacksons Tolkien-Filmreihe. Zhang Yimou löste damit einige Kontroversen im In- und Ausland aus. Manche witterten den Ausverkauf chinesischer Werte – Thema: Whitewashing –, andere wiederum mokierten sich über den Umstand, dass Zhang dem amerikanischen Kommerz verfalle. Das kann man mögen oder auch nicht. Zweifellos fährt man als chinesische Großproduktion alles auf, was gut und teuer ist: prachtvolle Schauplätze, Dekorationen und Kostüme, bekannte heimische Filmstars wie Andy Lau, Eddie Peng und Tian Jing und mit Zhang Yimou einen der besten Regisseure des Landes, der 2008 die beeindruckende Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Sommerspiele in Peking inszenieren durfte. Dem gegenüber steht die amerikanische Seite, die mit den Darstellern Matt Damon, Pedro Pascal und Willem Dafoe, der legendären Special-Effects-Schmiede Industrial Light & Magic und dem Game of Thrones-Komponisten Ramin Djamadi würdig vertreten ist. Übrigens: Erstmals folgte Zhang Yimou seinen damit längst erfolgreichen Regie-Kollegen Ang Lee, Tsui Hark und Stephen Chow in die 3D-Fußstapfen - seinem Werk eröffnet das eine faszinierende neue Dimension, die man so eindrucksvoll nur selten zu sehen bekommt. Ein Besuch in einem IMAX-Kino ihrer Wahl ist zu empfehlen.

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Text ~ Leo Moser

Martial-Arts/Fantasy, China/USA 2016


Regie Zhang Yimou
Drehbuch Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy
Kamera Stuart Dryburgh, Xiaoding Zhao
Schnitt Mary Jo Markey, Craig Wood
Sound Design Kyrsten Mate
Musik Ramin Djawadi
Production Design John Myhre
Set Decoration Gordon Sim
Kostüme Mayes C. Rubeo
Mit Matt Damon, Pedro Pascal, Willem Dafoe, Tian Jing, Andy Lau, Eddie Peng
Verleih UPI, 103 Minuten
Kinostart 12. Jänner



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