In der Welt zu Hause

Das Festival Der Neue Heimatfilm in Freistadt.

 

Bereits zum 30. Mal findet vom 23. bis 27. August im malerischen Freistadt in Oberösterreich das Festival Der Neue Heimatfilm statt. Wolfgang Steininger und sein Team haben wie immer ein äußerst abwechslungsreiches Programm mit Filmen aus der ganzen Welt zusammengestellt, die sich kritisch, reflexiv oft auch amüsant mit dem Begriff „Heimat“ auseinandersetzen. Das Angebot reicht vom intimen österreichischen Familiendrama – der äußerst empfehlenswerte Debütfilm Die beste aller Welten über eine glückliche Kindheit im Drogenmilieu oder der berührende Dokumentation Was uns bindet von Ivette Löcker über die Eltern der Regisseurin, die auch nach der Scheidung ständig keppelnd in einem Haus zusammenleben – bis zu Filmen, die sich mit den Folgen der Migration beschäftigen, wie Weiße Sonne über das Schicksal eines Nepalesen, der nach vielen Jahren in seine alte Heimat zurückkehrt oder Das alte Dach, wo der Tod der Mutter die deutschen Kinder in ihr Geburtsland Kurdistan zurückbringt. Gerade die Internationalität der Filmauswahl setzt ein kluges Gegengewicht zur ideologischen Verwendung des Begriffs Heimat von Leuten wie Andreas Gabalier oder HC Strache, die damit immer zumindest andeuten, dass in der Heimat (also in diesem zufälligen Fall in Österreich) zu leben  bedeutet, den anderen, vor allem aus ärmeren Ländern Kommenden irgendwie überlegen zu sein. Die hier gezeigten Film und der Geist des Festivals machen klar, dass es nie schaden kann, die eigenen Traditionen, die eigene Lebenswelt zu kennen, aber dass gerade diese Kenntnis dazu führt, dass man sich vornehmlich als Bürger der Welt fühlt und nicht nur als Bürger eines Landes. Gratiskonzerte und Publikumsgespräche tragen zur gemütlich-konzentrierten Festivalatmosphäre nur eine halbe Stunde von Linz entfernt bei.

 

filmfestivalfreistadt.at

 

 



Kein Kommentar vorhanden.




Tags


Social Bookmarks