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Jurassic World: Das gefallene Königreich

Der fünfte Teil der Dino-Serie droht an der eigenen Gigantomanie zu ersticken

 

Realiter sind sie seit Jahrmillionen ausgestorben, im Kino leben sie dafür ewig: die Klon-Dinos, die erstmals vor mehr als zwei Jahrzehnten als (damals sensationelle) CGI-Geschöpfe das Licht der Filmprojektoren erblickten. Aus der relativ buchgetreuen Michael-Crichton-Verfilmung von einst ist mittlerweile eine kleine Franchise geworden, die sich zuletzt mit dem ersten Teil der Jurassic World unerwartet erfolgreich neu etablieren konnte.

Erinnerte dieser erste World-Teil dramaturgisch noch an jenen amüsant-turbulenten Themenpark, in dem er auch spielte, so hält es die jetzige unmittelbare Fortsetzung mehr mit dem klassischen Cecil B. DeMille-Zitat, das da lautet: „Ein guter Film beginnt mit einem Erdbeben (diesfalls einem Vulkanausbruch) und steigert sich dann langsam zum ersten Höhepunkt."

Doch das ungeschriebene Hollywood-Gesetz, wonach jedes Sequel den Vorgänger zu übertrumpfen hat, wird hier zum Problem.
Jurassic World: Fallen Kingdom droht an seiner eigenen Gigantomanie zu ersticken. Statt die Sache langsam angehen zu lassen, geht der Film gleich in die Vollen: Regenguss und Finsternis, zwei Monster-Attacken, eine an Land, die andere unter Wasser und eine (scheiternde) Rettungsaktion per Hubschrauber – das alles passiert noch vor der Title Card. Was dann kommt, folgt (reichlich vorhersehbar) jenem Muster, das schon Klassiker wie King Kong prägte: Skrupellose Menschen schaffen aus Gewinnsucht urzeitliches Großwild vom entlegenen Eiland (hier der fiktiven Isla Nublar) in die Zivilisation und haben dann ihre liebe Not, mit dem Getier fertig zu werden.

Exekutiert wird dieses Schema vom teilweise aus dem Vorgängerfilm vertrauten Personal, das für jede altersmäßige Zielgruppe die passende Identifikationsfigur parat hält. Ein Kind (Isabella Sermon) macht süße Kulleraugen (und greift entscheidend in die Handlung ein), ein Computer-Nerd (Justice Smith) bedient die Heranwachsenden, für Jungfamilien gibt’s die fortgesetzte Fast-Love-Story aus dem letzten Film (Chris Pratt und Bryce Dallas Howard), und Senioren dürfen sich an eine gütige Großvaterfigur (James Cromwell) halten.

Das alles wirkt holzgeschnitzt und kalkuliert, auch wenn profilierte Schauspieler (Geraldine Chaplin, Toby Jones) in Nebenrollen auftauchen. Für die Anti-Gentechnik-Botschaft, anfangs ein Leitmotiv der Serie, sorgt nur noch Jeff Goldblum in zwei Kurzauftritten. Echte Spannung kommt selten auf, am ehesten in zwei klaustrophobischen Szenen, eine abermals unter Wasser, die andere auf der Ladefläche eines Schwertransporters. Für ungeplanten Zusatz-Thrill sorgen Logik-Drehbuchschnitzer: Ein kleiner Dino bringt eine Ziegelmauer zum Einsturz, der riesige Super-Dino scheitert an der Holzwand eines Lastenaufzugs…

Technisch lässt der Film freilich keine Wünsche offen. Etliche Totaleinstellungen vom ausbrechenden Vulkan, aus dessen quellenden Staubwolken exotische Tiermonster fliehen, haben (vor allem in 3D) die Kraft surrealer Visionen, und die nahtlose Interaktion zwischen Schauspielern und Computer-Geschöpfen erreicht hier einen neuen Grad der Perfektion. Wem dies genügt, der wird sich darüber freuen, dass das Filmfinale eine weitere Fortsetzung fast erzwingt. Alle anderen wünschen den geplagten Dinos die wohl verdiente Ruhe.

 

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Jurassic World: Das gefallene Königreich / Jurassic World: Fallen Kingom


Science Fiction/Abenteuer, USA 2018
Regie Juan Antonio Bayona 
Drehbuch Colin Trevorrow, Derek Connolly
Kamera Oscar Faura 
Schnitt Bernat Vilaplana 
Musik Michael Giacchino 
Production Design Andy Nicholson 
Kostüm Sammy Sheldon
Mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ted Levine, Jeff Goldblum, BD Wong, Justice Smith, Geraldine Chaplin, Toby Jones, Rafe Spall, James Cromwell
Verleih Universal Pictures, 129 Minuten
Kinostart 7. Juni

 

 



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