Manaslu - Berg der Seelen

Aufwändiger Dokumentarfilm mit und über Hans Kammerlander

 

Wer nachgespielte Szenen – sogenanntes Reenactment – in Dokumentarfilmen ablehnt, der ist hier definitiv falsch. Ein großer Teil der 123 Minuten besteht nämlich daraus: Kindheit, Jugend und auch einige der abenteuerlichen Expeditionen Hans Kammerlanders werden von Schauspielern nachgestellt – teilweise auch Szenen, die der Südtiroler Extrembergsteiger ohnehin im Off auch erzählt. Kennerinnen und Kenner der Materie können nach wenigen Minuten unschwer erkennen, dass wir uns hier in einer der gewohnt aufwändigen, höchst publikumswirksamen Dokus des Red-Bull-erprobten Kärntner Produzenten und Regisseurs Gerald Salmina (Mount St. Elias, Streif – One Hell of a Ride) befinden. Man mag das mögen oder nicht, packend ist es in jedem Fall, es handelt sich eben um Spektakelkino im wahrsten Sinne des Wortes.

Außer Frage steht auch, dass sich das Leben des heute 62-jährigen Kammerlander für einen solchen Film geradezu anbietet. Von der entbehrungsreichen Kindheit als Bergbauernbub mit fünf Geschwistern über den frühen Tod der Mutter, von der Begeisterung des Achtjährigen anlässlich einer Radio(!)übertragung von einem Gipfelsieg dreier deutscher Bergsteiger in den Dolomiten, von den ersten Klettererlebnissen in der näheren Heimat bis hin zum Anruf von Reinhold Messner, der ihn 1982 erstmals in den Himalaya mitnahm, von der Tragödie, als 1991 zwei seiner besten Freunde beim Versuch, den 8.163 Meter hohen Manaslu („Berg der Seelen“) zu bezwingen, ums Leben kamen, von seinem Rekordaufstieg auf den Mount Everest in nur 16 Stunden und 40 Minuten im Jahr 1996 mit anschließender Skiabfahrt vom höchsten Berg der Welt, vom tödlichen Autounfall, den er 2013 alkoholisisert verursachte, bis hin zur Manaslu-Expedition 2017 mit Stephan Keck und dem – erneut abgebrochenen – Versuch, seinen „Schicksalsberg“ doch noch zu bezwingen: Das ist wahrlich Stoff genug.

Der Bergsteiger erweist sich als kompetenter Erzähler, der auch vor den dunklen Punkten seiner Biografie und des Extremsports generell („Über achttausend Meter gibt es keine Moral“, sagt ein japanischer Bergsteiger einmal) nicht zurückscheut. Ein paar Fragen werden ihm von Werner Herzog gestellt, der mit Kammerlander und Messner 1984 sein TV-Feature Gasherbrum – Der leuchtende Berg gedreht hatte, als die beiden Alpinisten die erste Doppelbesteigung der beiden Achttausender Hidden Peak und Gasherbrum II absolvierten.

Und die selbst gestellte Frage, warum von den vielen Top-Bergsteigern seiner Generation nur noch so wenige am Leben sind, die nagt sichtlich an dem erfahrenen Kletterer. Da wird der Film sogar noch philosophisch.

 

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Manaslu – Berg der Seelen


Dokumentarfilm, Österreich 2018
Regie, Drehbuch Gerald Salmina
Kamera Günter Göberl, Hartmann Seeber
Schnitt David Hofer
Musik Manfred Plessl
Sounddesign Andreas Frei
Mit Hans Kammerlander, Werner Herzog, Stephan Keck, Michael Kuglitsch, Simon Gietl, Markus Schwärzer
Verleih Panda Film
Vertrieb Thimfilm, 123 Minuten
Kinostart 14. Dezember

 



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