Nichts zu verschenken / Radin!

Skurrile Komödie, die etwas zu gekünstelt daherkommt

 

Es gibt Menschen, die geben ihr Geld gerne aus; es gibt jene, die sparen, um sich einen Traum zu erfüllen; und es gibt Menschen wie François Gautier (Dany Boon). François hasst es, Geld auszugeben, und er spart, ohne zu wissen worauf oder warum. 250.000 Euro hat er auf dem Konto, aber das reicht ihm noch lange nicht. Auf Licht und Warmwasser wird daheim verzichtet, im Supermarkt werden nur Schnäppchen ergattert, und wenn es sein muss, streitet man auch mit der Kassiererin wegen eines Rabatts von drei Cent. François ist ein Geizhals par excellence, und das hat ihm in seinem bisherigen Leben keine Freunde gebracht. Er ist ein Einzelgänger, ein Neurotiker, ein mühsamer Zeitgenosse, dessen einziger Vertrauter der Banker ist.

Trotzdem muss man ihn irgendwie mögen. Nicht nur weil er von Dany Boon gespielt wird (und den kann man irgendwie nicht nicht mögen), oder weil er ein begnadeter Geiger ist, sondern auch weil man schlichtweg Mitleid mit ihm hat. Dieser zwanghafte Spartrieb ist eine Bürde, die François bereits sein ganzes Leben mit sich herumschleppt; eine Krankheit, die er bisher nicht heilen konnte. Er leidet darunter, auch wenn er es sich selbst nicht eingesteht. Geiz ist nun einmal doch nicht wirklich geil, das fanden bisher offenbar auch die Frauen. François ist nicht liiert, er war nie verheiratet und hat keine Kinder – zumindest glaubt er das, bis eines Tages eine junge Frau namens Laura (Noémie Schmidt) vor seiner Türe steht und vorgibt, seine Tochter zu sein. Nach Bienvenue chez les Ch’tis (Willkommen bei den Sch’tis), Rien à déclarer (Nichts zu verzollen) und Supercondriaque (Superhypochonder) versucht Publikumsliebling Dany Boon auch in Radin! wieder das Publikum mit seinem schauspielerischen Können zum Lachen zu bringen. Es gelingt ihm, allerdings leider bei weitem nicht so gut wie in den vorangegangenen Filmen.

Leicht gemacht wird es ihm vom Drehbuch und von Regisseur Fred Cavayé zugegebenermaßen nicht, denn das Komödienpotenzial des Lebens eines Mega-Sparers wird nur selten ausgeschöpft. Gelungene Szenen wie jene, in der François bei einem Konzert Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in nur zwölf Minuten herunterspielt, um Zeit zu sparen, bilden eher die Ausnahme. Über weite Teile wird der Film von abgegriffenen Gags regiert, die zunehmend belastend für die Handlungsentwicklung werden und es den Schauspielern fast unmöglich machen, ihren Figuren Charisma einzuhauchen und Authentizität zu verleihen. So bleibt Radin! eine recht typische französische Konzeptkomödie, die einige lustige Szenen bietet, aber nicht besonders heraussticht.

 

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Komödie, Frankreich 2016


Regie Fred Cavayé
Drehbuch Nicolas Cuche, Laurent Turner
Kamera Laurent Dailland
Schnitt Yann Malcor
Musik Klaus Badelt 
Production Design Laurence Brenguier
Kostüm Marie-Laure Lasson
Mit Dany Boon, Laurence Amé, Noémi Schmidt, Patrick Ridremont, Christophe Canard, Christophe Favre, Karina Marimon
Verleih Filmladen, 89 Minuten
Kinostart 7. April

 



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