ray | Ocean's Eight

Ocean's Eight

Krimi-Spaß mit acht Frauen.

 

Es gibt im kommerziellen Kino wenig Vergnüglicheres, als einem heist, also einem supersmarten Raubzug, bei der Vorbereitung zuzusehen. Das ist oft unterhaltsamer als die Durchführung, wobei das im vorliegenden Fall allerdings nicht stimmt. Beides ist amüsant, und es geht ab Minute 1 um nichts anderes: Als die von Kassenmagnetin Sandra Bullock gespielte Debbie Ocean, die Schwester des, ja, verstorbenen Danny Ocean (George Clooney ist nur als Foto präsent) auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wird – versehen mit allen möglichen Warnungen und Auflagen – hat sie bereits einen festen Plan. Und dieser wird in der Folge minuziös vorbereitet und logischerweise auch ausgeführt. Debbie will nicht mehr und nicht weniger, als die hyperexklusive alljährliche Gala im New Yorker Metropolitan Museum nützen, um dort vom Hals des angesagten Top-Stars Daphne Kluger (Ann Hathaway) ein 150 Millionen Dollar teures Diamanten-Collier zu stehlen. Das ist gar nicht so einfach, zumal Daphne noch gar nicht weiß, dass sie diese Halskette überhaupt tragen will – also muss man es ihr einreden, und man muss außerdem Cartier überreden, dass sie das gute Stück überhaupt aus dem unterirdischen Safe holen. Alles eine Frage der Überredungskunst.

Jedenfalls braucht Debbie natürlich hochspezialisiertes Personal, allen voran ihre alte Kumpelin Lou (Cate Blanchett, grandios wie immer), die sich derzeit mit dem Panschen von Wodka buchstäblich über Wasser hält und die mitmacht, obwohl sie zunächst skeptisch ist. Danach geht es Schlag auf Schlag. Um an Daphne überhaupt heranzukommen, verpflichtet man die Modesignerin Rose (Helena Bonham Carter), die Steuerschulden hat und ein bisschen Kleingeld gebrauchen kann, dazu eine Edelsteinexpertin, eine Hehlerin, eine Taschendiebin und – Rihanna als Hackerin „Nine Ball“. Die Pop-Lady macht dabei erstaunlich gute Figur als Schauspielerin.

Der König des modernen heist movie ist ohne Zweifel Steven Soderbergh, der zuletzt mit Logan Lucky sozusagen die Arbeiterklasse-Variante seiner Hit-Serie Ocean’s 11 bis13 lieferte. Diesmal fungiert er zwar „nur“ als Produzent, aber seine Handschrift ist unverkennbar. Drehbuch und Regie stammen im aktuellen Fall von Gary Ross, der 2003 mit Seabiscuit einen Überraschungserfolg (sieben Oscar-Nominierungen) gelandet hatte und sich mit dem ersten Teil von The Hunger Games (2012) auch als Blockbuster-tauglich erwies. Ross‘ Story folgt berühmten filmischen Vorbildern zwar auf dem Fuße, aber nicht nur dank der ungewöhnlichen Vorgabe, dass ausschließlich Frauen ihre kriminelle Energie nutzen, gelingen ein paar überraschende Wendungen und allerlei hübsche Gags, die an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten werden. Eine Vielzahl mehr oder weniger unentbehrlicher Cameos (von, äh, Heidi Klum bis Tennis-Ass Serena Williams) darf natürlich auch nicht fehlen, denn schließlich geht es hier ja um einen Galaabend voller Celebrities.

Der umwerfende Cast, ethnisch fein durchmischt, wie das ja bei Ensemblefilmen in Hollywood längst Usus ist, tut ein Übriges, um Ocean’s Eight zu einem vollen Erfolg zu machen. Das Kinopublikum in den USA sah es offenbar ähnlich, denn das Einspielergebnis (60 Millionen Dollar nach der ersten Woche allein in den Vereinigten Staaten) übertraf alle Erwartungen. Es wird wohl auch daran liegen, dass man inzwischen schon froh ist, wenn einem im Kino nicht ständig die Trümmer um die Ohren fliegen.

 

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Komödie / Action, USA 2018


Regie Gary Ross 
Drehbuch Gary Ross, Olivia Milch 
Kamera Eigil Bryld 
Schnitt Juliette Welfling 
Musik Daniel Pemberton 
Production Design Alex DiGerlando 
Kostüm Sarah Edwards
Mit Sandra Bullock, Cate Blanchett, Ann Hathaway, Helena Bonham Carter, Mindy Kaling, Sarah Paulson, Awkwafina, Rihanna, Richard Armitage
Verleih Warner Bros., 110 Minuten
Kinostart 21. Juni

 

 



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