Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes

Wim Wenders’ brave Doku profitiert vom Charisma ihrer Hauptfigur.

 

Wim Wenders dreht einen Film über den Papst – echt jetzt? Der einstige Mitbegründer des Neuen Deutschen Films als Bannerträger des obersten katholischen Kirchenherren? Auf den ersten Blick eine bizarre Konstellation. Doch dann kommt man ins Grübeln. Hatten Wenders-Filme nicht schon immer einen träumerisch raunenden Jenseits-Touch? Ließ er nicht Engel im „Himmel über Berlin“ schweben? Und ist der Mann etwa nicht Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der schweizerischen Universität Freiburg?

So gesehen kann die Themenwahl dieser abendfüllenden Kino-Doku nicht mehr wirklich überraschen. Überraschend ist eher schon, wie affirmativ und unkritisch sich Wenders seinem Protagonisten genähert hat. Dies ist keine objektive Zwischenbilanz des kirchenintern ja nicht unumstrittenen Pontifikats des aktuellen Papstes; kontroversielle Themen wie die Zulassung geschiedener Gläubiger zu den Sakramenten bleiben ausgespart. Der Schwerpunkt liegt durchaus im politischen Diesseits: Flüchtlingselend und Kapitalismuskritik, Umweltschutz und Nahost-Konflikt.

Die zweite Überraschung liegt in der Form des Films. Sie ist, um es rücksichtsvoll zu formulieren, eher unauffällig, um nicht zu sagen bieder geraten. Wenders und sein Team haben Papst Franziskus zwei Jahre lang begleitet – bei Auftritten vor den Vereinten Nationen ebenso wie bei Besuchen in Elendsvierteln und Spitälern. Wenders selbst kommentiert die Bilder sparsam aus dem Off. Als Franziskus seinen Kardinälen im Vatikan die Leviten liest, ist die Kamera dabei (und fixiert die steinernen Mienen der verunsicherten Geistlichkeit), beim Besuch in Auschwitz lässt sie den Papst in stummer Erschütterung allein.

Die einzige cineastische Konzession leistet sich Wenders gleich zu Beginn. Da ist von Franz von Assisi die Rede, von dem der frühere argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio seinen Papst-Namen hergeleitet hat, und Szenen aus einem Stummfilm über den Heiligen illustrieren die historische Querverbindung. Erst zuletzt wird klar, dass Wenders diese scheinbaren Archiv-Ausschnitte nachinszeniert hat, komplett samt überschminkten Darstellern, ruckartigen Bewegungen und aufgemalten Studiokulissen.

Dass der Film trotz einer gewissen Behäbigkeit spannend bleibt, liegt am Charisma dieses klugen und humorvollen Papstes. Wenn er in ruhig mitgefilmten Interview-Passagen seine Gedanken formuliert, werden auch abgebrühte Agnostiker nachdenklich. Dieser Mann hat der Welt wirklich etwas zu sagen. Spätestens wenn sich Franziskus mit einem scherzhaften Aphorismus aus dem Film verabschiedet, hat er, so viel Pathos muss sein, die Herzen des Publikums gewonnen.

 

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Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes / Pope Francis: A Man of His Word


Dokumentarfilm, Italien/Schweiz/Deutschland/ Frankreich 2018
Regie Wim Wenders
Drehbuch Wim Wenders, David Rosier
Kamera Lisa Rinzler
Schnitt Maxine Goedicke
Musik Laurent Petitgand
Verleih Universal Pictures, 96 Minuten
Kinostart 14. Juni

 



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