Siebzehn

Preisgekrönte, subtile Studie um die großen Themen des Lebens und unerfüllte Sehnsüchte in der Adoleszenz

 

Paula könnte stolz auf sich sein: Sie ist eine der Besten in ihrer Klasse, erwachsener als ihre Mitschüler, beliebt, eine Koryphäe in Französisch und bereits so verständig, dass sie sich in die Gedankenwelten großer Romanciers wie Proust und Flaubert gut einfühlen kann. Ihre Überlegenheit macht die junge Frau aber nicht glücklich, vielmehr leidet sie wie alle anderen Siebzehnjährigen in ihrem Umfeld an einer unerfüllten Sehnsucht. Schmerzlich hat sie sich in ihre Kameradin Charlotte verliebt. Die aber ist mit Michael zusammen und verschweigt ihr, wie häufig sie an sie denken muss. Um sich von ihrem Liebeskummer abzulenken, lässt sich Paula auf die Avancen des schüchternen Tim ein und von der draufgängerischen Lilli verführen, die aber spielt nur ein Spiel.

Der gleichgeschlechtlichen Liebe unter jungen Frauen und Mädchen hat sich in den vergangenen Jahren vor allem das französische Kino feinfühlig angenommen, denkt man an das preisgekrönte Drama La Vie d’Adèle, die sommerliche Komödie La Belle Saison oder auch an Werke der Regisseurin Céline Sciamma (Water Lilies, Tomboy). Monja Arts subtilen, souverän inszenierten Debütfilm, der in diesem Jahr in Saarbrücken den Max-Ophüls-Preis gewann, bestimmt ein ähnlicher Geist. Wie sich allein Prousts und Flauberts Beschreibungen von unerfüllter Liebe und dem Verlangen nach wahren Emotionen in der österreichischen Realität der Heranwachsenden spiegeln, lässt die Affinität zum französischen Autorenkino nicht übersehen. So wie Siebzehn vor allen Dingen aber ein Ensemblefilm über die Irrungen und Wirrungen in der Pubertät ist, erzählt die Wienerin beiläufiger und unaufgeregter über lesbisches Begehren.

Umso mehr beeindruckt die große Natürlichkeit und Offenheit, mit der die Jungschauspieler agieren. Ob das in einem Dokumentarfilm, der Art ursprünglich vorschwebte, auch so gewesen wäre, ist fraglich, kann doch von Jugendlichen in diesem schwierigen Alter nicht erwartet werden, sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit derart intim vor der Kamera einzubringen. Die zwischen Klassenzimmer, Schulbus, niederösterreichischer ländlicher Idylle, Dorfdisco und privaten Rückzugsplätzen verorteten Szenen wirken nicht minder lebensnah, dies auch dank markanter Persönlichkeiten: Jede von ihnen ist eine Entdeckung für sich, ganz besonders die wunderbare, in Saarbrücken für ihre Paula als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnete, mit ihrer aparten Schönheit und ihrer großen Reife beeindruckende Elisabeth Wabitsch.

 

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Siebzehn

Starke Frauen und Mädchen vor und hinter der Kamera

Das Saarbrücker Max Ophüls-Festival hatte im 38. Jahrgang einen sehr guten Wettbewerb zu bieten



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Drama, Österreich 2017


Regie, Drehbuch Monja Art
Kamera Caroline Bobek
Schnitt
Monja Art, Claudia Linzer
Szenenbild Conrad Moritz Reinhardt
Kostüm Christine Ludwig
Mit Elisabeth Wabitsch, Anaelle Dézsy, Alexandra Schmidt,Christopher Schärf, Alexander Wychodil, Leo Plankensteiner
Verleih Filmladen, 104 Minuten.
Kinostart 28. April

 



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