/SLASH EINHALB

/slash einhalb serviert von 4. bis 6. Mai im Wiener Filmcasino erneut zwölf Alternativen zum Besenkammerrealismus: herausragende und verhaltensauffällige Produktionen, die sich auf jeweils eigene unverwechselbare Art den Verwerfungen und Zerwürfnissen der Gegenwart annähern: werdende Mütter, die spitze Klingen in Halsschlagadern versenken (Prevenge), Alkoholiker, die via Selbstzerstörung über sich selbst hinauswachsen (Ron Goossens, Low Budget Stuntman), lesbische Terrorzellen, die sich von innen heraus selbst zersetzen (The Misandrists), Politiker, die auch angesichts einer monströsen Bedrohung nicht über den eigenen Tellerrand blicken können oder wollen (Shin Godzilla), in die Enge Getriebene, die einander, anstatt zusammenzuhalten, gegenseitig sabotieren (El Bar). Das phantastische Kino lehrt: Spontanen Gefühlsaufwallungen ist ebenso wenig zu trauen wie Mainstream-Meinungen. Stattdessen fordern die /slash-einhalb-Filme Haltung ein – zu sich selbst, zu den Mitmenschen, zur Welt um einen herum, und das durchaus im moralischen, humanistischen Sinn.

www.slashfilmfestival.com

 

Einige Highlights aus dem Programm


EL BAR / THE BAR
Álex de la Iglesia
Spanien 2017, 102 min

Der ganz gewöhnliche Betrieb einer kleinen Bar irgendwo in Madrid wird brutal unterbrochen, als ein Gast vor dem Lokal unvermittelt niedergeschossen wird. Ein Mann, der ihm zu Hilfe kommen will, erleidet das gleiche Schicksal. Die übrigen Besucher des Lokals ergehen sich in Vermutungen über einen Heckenschützen und wagen sich nicht hinaus. Doch bald wird die Angelegenheit noch mysteriöser und bedrohlicher, die bunt zusammen-gewürfelte Gruppe sitzt in der Bar fest. Das alptraumhafte Szenario macht nach und nach deutlich, dass Extremsituationen nicht immer die besten menschlichen Eigenschaften hervorbringen.


THE MISANDRISTS
Bruce LaBruce
Deutschland 2017, 91 min

Eine kleine Gruppe namens „Army of Lovers“, die sich exklusiv aus Frauen zusammensetzt, hat sich auf einem abgelegenen Anwesen zusammengefunden. Unter der Führung von „Big Mother“ schmieden sie Pläne mit dem Ziel, das Patriarchat seinem Untergang entgegenzuführen. Als ein verletzter Soldat ausgerechnet Zuflucht in dem weiblichen Zirkel findet, bleibt das nicht ohne Folgen. Bruce LaBruce, einer der führenden Protagonisten des New Queer Cinema hat The Misandrists mit seinem typischen turbulenten, anarchischem Humor in Szene gesetzt.


PREVENGE
Alice Lowe
Großbritannien 2016, 88 min

Eine hochschwangere Frau vermeint, von ihrem ungeborenen Kind den Auftrag zu erhalten, eine Serie von Morden zu begehen, sie geht auch sogleich eifrig ans Werk. Alice Lowe hat bereits als Koautorin und Darstellerin von Ben Wheatleys Sightseers ihren Sinn für rabenschwarzen Humor unter Beweis gestellt. Mit ihrem Regiedebüt Prevenge, zu dem sie auch das Drehbuch verfasst und die Hauptrolle übernommen hat, präsentiert Lowe ihre eigenwillige Variante des bekannten Rache-Motivs.


RON GOOSSENS, LOW-BUDGET STUNTMAN
Steffen Haars, Flip van der Kuil
Niederlande 2017, 83 min

Kaum hat der titelgebende Held einen im Vollrausch absolvierten Stunt gerade noch überlebt, muss er feststellen, dass ihn seine Frau betrogen hat. Schlimmer noch, er sieht sich mit einem Ultimatum konfrontiert: Ron soll eine Affäre mit einer bekannten Schauspielerin beginnen, damit ihn die Ehefrau wieder interessant findet. Weil die eingangs erwähnte Aktion mittlerweile zum Internet-Hit geworden ist, bekommt er tatsächlich Gelegenheit, seine Qualitäten als Stuntman beim Film unter Beweis zu stellen – was nicht ganz unfallfrei verläuft. Ebenso schräger wie brachialer Humor ist der Wegbegleiter des tragikomischen Helden auf seinem Irrsinns-Trip.


WITHOUT NAME
Lorcan Finnegan
Irland 2016, 93 min

Ein Landvermesser soll ein abgelegenes Waldstück kartographieren. Zunächst ein sehr gelegener Auftrag, kann der verheiratete Mann so auch ungestört Zeit mit seiner Assistentin, mit der er eine Affäre hat, verbringen. Doch schon bald gehen mysteriöse Dinge in der Einsamkeit der Natur vor sich, und halluzinogene Pilze zu konsumieren erweist sich in dieser Situation nicht gerade als smarte Idee. Lorcan Finnegan variiert in seinem Spielfilmdebüt bewährte Genre-Elemente, um den Protagonisten in einen alptraumhaften Trip zwischen Wahn und Wirklichkeit zu stürzen.

 



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