Swimming with Men

Freundliche Komödie über einen Mann in der Midlife-Krise und die wackeren Kerle, die ihn herausholen

 

Eric ist von seiner Buchhalter-Arbeit in einer Bank furchtbar angeödet und hat die Freude an seinem Leben insgesamt ein wenig verloren. Deswegen verdächtigt er auch seine Frau Heather, ihn verlassen zu wollen, und weil er sich nichts mehr zutraut, räumt er kampflos das Feld. Eric ist eine graue Maus in der Midlife-Krise, unattraktiv, miesepetrig und langweilig – und damit prädestiniert, Mitglied in einem rein männlich besetzten Wasserballett zu werden. Noch lächerlicher kann man sich schließlich gar nicht mehr machen.

Das dachte sich wohl auch Oliver Parker und inszeniert Swimming with Men, der die Abenteuer dieser Wasserballett-Truppe zum Gegenstand hat, nicht auf oberflächlich witzige Effekte hin, sondern ausgehend von hintergründig humorvoller Grundstimmung. Das heißt, er behandelt sein Thema mit dem nötigen Ernst und die Gefühle seiner Protagonisten mit gebotener Sensibilität.

Wasserballett, seinerzeit zwar von Männern für Männer erfunden und Frauen lange nicht erlaubt, zählt heutzutage nicht mehr zu den typischerweise mit Virilität assoziierten Formen der Leibesertüchtigung, dann schon eher Bodybuilding oder Boxen. Allein unter diesem Aspekt nötigt einem der Mut der Schauspieler – darunter Jim Carter, bekannt als Chefbutler Carson aus Downton Abbey –, die Parkers Herausforderung annahmen, baden zu gehen, einigen Respekt ab. Galt es doch, mit Nasenklammer im Gesicht und angetan mit nichts als einer engen Badehose, körperlich aufeinander abgestimmt halbwegs grazile Bewegungen im Wasser zu vollführen. „Wir waren unfitte, im Schwimmen unerfahrene Schauspieler; alberne Männer, die schöne Formen machten, wie Schneeflocken – es war großartig“, so Rupert Graves, der als Ballettchef Luke den Laden zusammenhält, während Eric, den der britische Komödiant Rob Brydon mit landestypischem Understatement gibt, sich alsbald als Choreograf bewährt und in der Gemeinschaft der schwimmend tanzenden Männer regelrecht aufblüht; Heather wird Augen machen!

Überhaupt ist Swimming with Men eine Emanzipationsgeschichte und eine souveräne Absage an die Klischees von Coolness und Härte, die sich hartnäckig an filmische Männerbilder heften. Wie wohltuend ist es im Kontrast dazu, die mittelalten Nullachtfünzehn-Leiber dieser grundguten Durchschnittskerle bei ihren Bemühungen zu beobachten. Vor allem aber zu sehen, wie sie einander beistehen, trösten, Freunde sind.

 

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Swimming with Men



Komödie, Großbritannien 2018
Regie Oliver Parker
Drehbuch Aschlin Ditta
Kamera David Raedeker
Schnitt Liana Del Giudice
Musik Charlie Mole
Production Design Amanda McArthur
Kostüm Jo Thompson
Mit Rob Brydon, Rupert Graves, Jim Carter, Adeel Akhtar, Daniel Mays, Thomas Turgoose, Charlotte Riley, Jane Horrocks, Nathaniel Parker
Verleih Thimfilm, 94 Minuten
Kinostart 8. Juni

 



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