The Square

Quadratisch. Praktisch. Satirisch

 

Bereits letztes Jahr vergab man in Cannes die Goldene Palme an einen Film, der sich sozialen Fragen widmete – allerdings vertraten nicht wenige Kritiker die Auffassung, dass Ken Loachs Arbeitslosendrama I, Daniel Blake eher aufgrund der Message denn auf Basis künstlerischer Qualitäten prämiert worden war. Positiver wurde die diesjährige Vergabe des Preises an Ruben Östlunds Satire The Square kommentiert. Der Schwede setzt sich ebenfalls mit gesellschaftlichen Themen auseinander, geht im Vergleich zu Loach allerdings formal ambitionierter und thematisch vielschichtiger ans Werk.

Im Mittelpunkt steht Christian (Claes Bang), der in Stockholm ein Museum für Gegenwartskunst leitet und mit der Routine seines privilegierten Lebens grundsätzlich zufrieden ist. Als ihm allerdings auf der Straße von Trickdieben sein Smartphone gestohlen wird, ist dies ein Erlebnis, das ihn aufgrund des abenteuerlichen Flairs fast schon euphorisiert. Während Christian die Suche nach dem Telefon mit sozialen Schichten in Kontakt bringt, die er bisher mied, verunglückt eine provokante PR-Kampagne des Museums und löst einen Shitstorm aus (es geht dabei um das titelgebende Kunstwerk, das andere Menschen verpflichten soll, einem zu helfen, wenn man es betritt). Eine Affäre mit einer Journalistin, die einen Schimpansen als Mitbewohner hat, beginnt an Christians Nerven zu zehren, und zu seinen Töchtern findet der Geschiedene auch keinen rechten Draht. Schließlich führt die Rückholaktion des Smartphones zu einer erschütternden Begegnung.

Was zunächst als Satire auf einen von gesellschaftlichen Realitäten entrückten Kunstbetrieb funktioniert – herrlich, wie Östlund Fake-Kunst ins Bild rückt und leeres Kunstsprech entlarvt –, wird immer mehr zur Geschichte eines Mannes, dessen Leben außer Kontrolle gerät. Die Geschichte verdüstert sich im selben Maß, wie sie bizarrer wird, den größeren Rahmen bilden Themenfelder wie soziale Barrieren, politische Korrektheit, mangelnde Solidarität und gestörte Kommunikation. Dem sieht man fasziniert zu, nicht zuletzt aufgrund präzise kadrierter Einstellungen, dem starken Spiel des Hauptdarstellers und unerwarteter Szenen, aus denen besonders eine mit einem kompromisslosen Performance-Künstler hervorsticht. Allerdings verliert der Film mit zunehmender Laufzeit auch ein wenig den Fokus – Östlund hätte beim Schnitt eventuell rigoroser sein können. Nichtsdestotrotz ist The Square – der eine Seelenverwandtschaft mit den Filmen von Östlunds Landsmann Roy Andersson zu besitzen scheint – ein starker und provokanter Film, der im Gedächtnis bleibt.

 

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Satire, Schweden/Deutschland/Frankreich/Dänemark 2017


Regie, Drehbuch Ruben Östlund
Kamera Fredrik Wenzel
Schnitt Jacob Secher Schulsinger, Ruben Östlund
Production Design Josefin Åsberg Kostüm Sofie Krunegård
Mit Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West, Terry Notary, Christopher Læssø, Marina Schiptjenko, Daniel Hallberg
Verleih Filmladen, 142 Minuten
Kinostart 17. November

 



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