Becoming Cary Grant

Frankreich 2017
Regie Mark Kidels

21. 10, 21.00h, Metro, Historischer Saal
25. 10, 13.00h, Metro, Erik Pleskow Saal

 

Mark Kidels Dokumentarfilm Becoming Gary Grant (Frankreich 2017) interessiert sich schon dem Titel nach für die Genese der Legende. Tatsächlich erfährt man einiges über den Werdegang des als Archie Leach in ärmlichen Verhältnissen in Südengland geborenen Mannes, der nach Anfängen beim Varieté zu einem der größten Stars Hollywoods wurde, mit Regisseuren wie Hawks und Hitchcock arbeitete und sowohl als Charmeur, Komödiant, aber gelegentlich auch als abgründiger Charakter überzeugte. Im Zentrum steht allerdings eine Psychotherapie, der sich Grant angesichts einer existenziellen Krise Ende der fünfziger Jahre unterzog – denn bei all dem Erfolg, der ihm zuteil wurde, schien er innerlich von Dämonen gequält. Als Stütze für diese Vermutung dienen dem Film dabei Auszüge aus den unveröffentlichten Memoiren Grants, einfühlsam gelesen von Jonathan Pryce: „You spend your time becoming a big Hollywood actor. And then what? All my life, I have been searching for peace of mind“. Mithilfe von LSD, das damals noch ein legales Medikament war, wurde der Schauspieler dabei in seine schwierige Kindheit und Jugend versetzt, wo es früh zu Identitätsproblemen kam: Seine Eltern – besonders die Mutter – hätten ihm einerseits Manieren beigebracht und ihn auf Gentleman getrimmt, allerdings hätte er auch so lange feminine Kleidung tragen müssen, dass er sich manchmal für ein Mädchen hielt. Seine Mutter verschwand plötzlich, der Vater gründete in einer anderen Stadt eine neue Familie. Jahrzehnte später fand Grant heraus, dass sein Vater die Mutter in eine Irrenanstalt verfrachtet hatte. Der Film fasziniert mit privatem, von Grant angefertigtem Filmmaterial und Ausschnitten aus zahlreichen Klassikern (wobei es manchmal zu etwas offensichtlichen Illustrationen kommt, wenn etwa die Frauenskepsis Grants mit Marlene Dietrich im Affenkostüm unterlegt wird), dazu steuert Filmkritiker David Thomson interessantes Wissen über Filme und Karriere bei. Manche angerissenen Aspekte bleiben eher vage – war Grant bi, schwul oder sich selbst nicht sicher? – aber vielleicht ist das bei einer Ikone mit einer derartig überlebensgroßen Aura, wie Grant sie hatte, nicht anders möglich. Denn die Fassade, die Grant für sich errichtete, mag auch für ihn selbst undurchdringlich gewesen sein, wie ein Zitat unterstreicht, das seine gute Freundin Judy Balaban ins Feld führt: „Everybody wants to be Cary Grant. Even I want to be Cary Grant.“ Ein Dokumentarfilm, der zwar Lücken hat, aber die komplexe Persönlichkeit des Schauspielers doch erahnen lässt – und nicht zuletzt Lust auf einen Grant-Marathon und ein paar Cocktails macht.

 



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