Kopfstand

Österreich 1981
Regie Ernst Josef Lauscher

26.10., 11:00h Metro, Historischer Saal

 

Der Regisseur Ernst Josef Lauscher sei damals mit fliegenden Fahnen vorangegangen, erzählte Christoph Waltz im Rahmen der Carnage-Gala im Gartenbaukino, und habe das ganze Team mit seiner forschen Begeisterung einfach mitgesogen. Hauptschauplatz ist eine österreichische Nerven-„Heil“-Anstalt des Jahres 1980, der 24-jährige Waltz als sensibler Rotzbub darin eingekerkert. Der schöne schwarzweiße Film wirkt wie um ihn herum gebaut: Er spielt den verschlossenen Außenseiter Markus Dorn, dem eine Vaterfigur fehlt. Seine freche Zunge und seine trotzige Haltung werden ihn zum Verhängnis, die Mutter (Ingrid Burkhard) ist überfordert, der Freund der Mutter (Heinz Petters) kann ihn nicht leiden, und schon ist er eingeliefert. „I hob doch nix“, sagt er dem Chefpsychiater, aber das sieht der Chefpsychiater anders, denn wer seine Autorität nicht anerkennt, muss krank sein. Pulver und Elektroschocks haben sich diesbezüglich schon öfter als heilsam erwiesen ... Markus weiß gar nicht wie ihm geschieht, dennoch nimmt er Anteil am Schicksal der anderen Patienten, zumal an jenem des ausgezeichnet von Pavel Landovsky gespielten, den sie nur „Stunk“ rufen. Disziplin und Ordnung gibt es in dieser Anstalt ausschließlich auf Kosten gestörter Menschlichkeit, indes der sensible Held des später märchenhaft ausklingenden Message Movies ein Stück weit auch an sich selbst scheitert. Der Film war zweifellos ein kleiner Schritt in Richtung offene Psychiatrie.

 



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