Der lange Tag des Jugendfilms

Am 6. Mai ging der European Film Academy Young Audience Award in Wien und St. Pölten über die Bühne.

 

34 Länder von Island bis Spanien machen mittlerweile mit beim Young Audience Award, der jedes Jahr von der Europäischen Filmakademie organisiert wird. Sogar Australien ist seit neuestem dabei – irgendwie logisch, nachdem das votingbegeisterte Land ja auch schon beim Eurovision Song Contest teilgenommen hat. Mit seinem Voting-Verfahren könnte man den Young Audience Award durchaus als Songcontest des Jugendfilms bezeichnen: Über einen Tag verteilt wurden zunächst drei von einem Expertenkomitee ausgewählte Filme aufgeführt, am Abend bestimmten sodann Jugendjurys im Alter von 12 bis 14 Jahren den Gewinner. In Österreich organisierte die Akademie des Österreichischen Films das Event in gleich zwei Städten: Wien (Urania Kino) und St. Pölten (Cinema Paradiso). Beide Kinos waren gut besucht, die Jugendlichen mit Feuereifer bei der Sache. Zur Auflockerung gab es spannende Workshops: In der Urania demonstrierte Sounddesigner Thorsten Heinemann, wie man Geräusche für Filme produziert, und der Kinotechniker Werner Fleckl machte deutlich, wie Filme vom Projektionsraum aus auf die Leinwand finden. In St. Pölten gab Markus Freistätter (Erika), jüngstes Mitglied der Akademie des Österreichischen Films, einen Schauspielworkshop, der enthusiastisch angenommen wurde. Nach den Filmen gab es Gespräche mit Expertinnen und Experten. In den zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträgen waren die Begeisterung und die Neugier der jungen Menschen für das Kino deutlich spürbar.

Nominiert waren in diesem Jahr Sandra Vannucchis Drama Girl in Flight (Italien/Schweiz, 2017), das die Geschichte eines von zuhause weggelaufenen Mädchens erzählt, Selma Vilhunens Dokumentarfilm Hobbyhorse Revolution (Finnland, 2017), der die Beziehung junger Mädchen zu ihren Spielzeugpferden thematsiert sowie das Culture-Clash-Drama Wallay (Frankreich/Burkina Faso/Katar, 2017) von Bernie Goldblat. Das live in die Kinosäle übertragene Voting – die Gala fand in Erfurt statt – gestaltete sich heuer besonders spannend: Girl in Flightund Wallay lieferten sich lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen, ehe sich Wallay auf den letzten Metern doch noch durchsetzte. Bernie Goldblats dokumentarisch geprägter Film um einen schwarzen Jungen aus Paris, der nicht ganz freiwillig Zeit in Burkina Faso verbringen muss und dort seine familiären Wurzeln entdeckt, ist ein würdiger Preisträger, der die Entdeckungsreise seines jungen Protagonisten Ady unprätentiös und authentisch visualisiert. Es war ein guter Tag für den europäischen Jugendfilm. Wer Lust hat, sich die nominierten Filme online anzusehen, kann dies übrigens auf der Plattform Pantaflix tun.

https://yaa.europeanfilmawards.eu/#livestream

http://www.oesterreichische-filmakademie.at/projekte.html

https://www.pantaflix.com/de


 



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